Für ihn war der Weg zur "Sexy"-Variante vorgezeichnet - den

Für ihn war der Weg zur "Sexy"-Variante vorgezeichnet - den
Ein Rückblick in die Entstehungsphase der "Commedia sexy all'italiana"
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Sonntag, 16. November 2014

...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (Die Geisterstadt der Zombies) 1981 Lucio Fulci

Inhalt: Louisiana 1927: Einige Männer kommen per Boot über einen Fluss, Andere erreichen das Hotel mit dem Auto, bevor sie gemeinsam das Zimmer 36 aufsuchen, in dem ein Maler (Antoine Saint-John) kurz davor steht, ein Gemälde zu vollenden. Doch dazu kommt es nicht mehr. Die Männer misshandeln ihn brutal, schleppen ihn in den Keller, wo sie ihn kreuzigen und seinen Körper mit Löschkalk zerstören.

Mehr als 50 Jahre später kehrt wieder Leben in das alte Hotel ein, in dem die damalige Hinrichtung geschah. Lisa Merrill (Catriona McColl) hat es geerbt und will es mit Hilfe ihres Freundes Martin (Michele Mirabella), einem Architekten, wieder in Stand setzen – eine fast herkulische Aufgabe, angesichts des baulichen Zustands und ihrer geringen finanziellen Möglichkeiten. Als einer der Arbeiter schwer verunglückt, kommt erstmals der Arzt John McCabe (David Warbeck) zu dem Hotel, der aber nichts mehr für den Mann tun kann. Doch Lisa fasst Vertrauen zu ihm und bittet ihn erneut zu kommen, als sich die unerklärlichen Ereignisse häufen…


 "...auch du wirst im Schrecken leben! Das Jenseits" - eine wenig vielversprechende Aussicht, mit der Lucio Fulci den Betrachter direkt ansprach und damit schon den Unterschied zu seinen Zombie-Vorgängern betonte. "...e tu vivrai nel terrore! L'aldilà" (wenig inspiriert als "Die Geisterstadt der Zombies" veröffentlicht oder inhaltlich falsch "Über dem Jenseits" tituliert) gilt als dritter Teil der "Zombie-Trilogie" nach "Zombi 2" (Woodoo - die Schreckensinsel der Zombies, 1979) und "Paura nella città dei morti viventi" (Ein Zombie hing am Glockenseil, 1980), die Fulci jeweils mit Drehbuchautor Dardano Sacchetti, Kameramann Sergio Salvati und Komponist Fabio Frizzi entwickelte. Dank der gruseligen Atmosphäre, gepaart mit sehr grafischen Splatter-Effekten, die Fulci in jedem seiner Filme zu steigern wusste, lag die "Trilogie"-Einordnung nah, täuscht aber ein wenig darüber hinweg, dass die Kreativen die Zombie-Thematik jeweils sehr unterschiedlich umsetzten.

Erinnerte "Zombi 2" noch an die traditionelle Saga ("I walked with a Zombi" (Ich folgte einem Zombie, USA 1943)) und spielte größtenteils auf einer Karibik-Insel, war "Paura nella città deimorti viventi" in den USA angekommen - der bevorzugte Handlungsort im italienischen Genre-Film dieser Phase, um beim italienischen Publikum trotz des offensichtlich geringen Budgets mit der Konkurrenz "Hollywood" mithalten zu können (siehe den Essay "Das italienische Kino frisst sich selbst"). Die tödliche Gefahr durch die wieder auferstandenen Toten wird den Bewohnern eines kleinen Ortes zwar nur langsam bewusst, aber sie blieb eine Bedrohung von außen, gegen die sich die Protagonisten gezielt zur Wehr setzen konnten. Diese eindeutige Trennlinie existiert nicht mehr in "...e tu vivrai nel terrore! L'aldilà", in dem die Gefahr aus dem Inneren zu kommen scheint und die Untoten nicht mehr klar von den Lebenden unterschieden werden können.

Wie gewohnt nutzte Autor Sacchetti okkulte Zeichen und Formeln, um die mehr als 50 Jahre nach der Eingangsszene, in der ein Maler brutal hingerichtet wird, einsetzende Handlung vorzubereiten, aber mehr noch als in den Vorgängern bemühte er sich gar nicht erst um eine schlüssige Durchführung der Story, sondern trieb sein Spiel mit den unterschiedlichen Ebenen so weit, dass die kommenden Ereignisse nur schwer vorherzusehen sind. Anders als im typischen Zombie-Film bedeutet eine Übermacht an Angreifern noch nicht den sicheren Tod, der stattdessen  in ganz anderer Form überraschend eintreten kann – wie in der Bibliotheks-Szene, in der das Opfer gefräßigen Taranteln ausgesetzt wird. Ein unrealistisches, aber wirkungsvolles Szenario.

Einzigen erzählerischen Halt vermitteln die Figuren der Hotel-Erbin Lisa Merrill und des Arztes John McCabe, der zum ersten Mal an den Ausgangsort des Grauens gerufen wird, als bei den Renovierungsarbeiten ein Unglück geschieht. Catriona McColl, die schon die Hauptrolle in "Paura nella città dei morti viventi" spielte und bei dem Versuch, das geerbte Hotel mit Hilfe ihres Freundes Martin wieder zu reaktivieren, dessen Vergangenheit herauf beschwört, wurde diesmal David Warbeck an die Seite gestellt, der sich Anfang der 80er Jahre als Protagonist der Söldner-Filme unter der Regie Antonio Margheritis („L‘ultimo cacciatore“ (Jäger der Apocalypse, 1980) ) auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand. Zunehmend werden sie durch ein Geschehen aneinander geschweißt, das sprunghaft die Szenen wechselt, Spuren legt und Hinweise gibt, die nicht weiter verfolgt werden und Figuren einführt oder töten lässt, ohne die Hintergründe genauer zu betrachten.

Dank des stimmigen Setting, der Kameraführung und nicht zuletzt der Musik Fabio Frizzis sind Kritiker geneigt, über die Schwächen der Story hinwegzusehen, dabei lässt sich darin gerade die Stärke eines Films erkennen, der sich den üblichen Zombie-Adaptionen entzieht und zu einem halluzinatorischen Trip wird, in dem Reales nicht mehr von Irrealem unterschieden werden kann. Eine konsequente Weiterentwicklung der beiden ersten Zombie-Filme Fulcis, die seine Ankündigung im Filmtitel nicht als leeres Versprechen erscheinen lässt: „…auch du wirst im Schrecken leben!“

"...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà" Italien 1981, Regie: Lucio Fulci, Drehbuch: Lucio Fulci, Dardano Sacchetti, Giorgio Mariuzzo,  Darsteller : David Warbeck, Catriona MacColl, Cinzia Monreale, Antoine Saint-John, Michele Mirabella, Laufzeit : 84 Minuten

Abschlussfilm des 5. Forumtreffens "Deliria Italiano" in Nürnberg vom 10. bis 11.10.2014

weitere im Blog besprochene Filme von Lucio Fulci:

Montag, 14. April 2014

L'ultimo cacciatore (Jäger der Apokalypse) 1980 Antonio Margheriti

Inhalt: Nachdem Captain Henry Morris (David Warbeck) nicht verhindern konnte, dass einer seiner besten Freunde erst einen Kameraden und dann sich selbst erschoss, ist er bereit, einen gefährlichen Auftrag anzunehmen, der ihn mitten in den vom Vietcong kontrollierten Dschungel führt. Er soll eine Radiostation zerstören, deren englischsprachige Sendung die Moral der US-Soldaten untergräbt.

Nachdem er von einem Hubschrauber abgesetzt wurde, trifft er auf eine Gruppe Soldaten und die Kriegsberichterstatterin Jane Foster (Tisa Ferrow), die ihre Aktion begleiten will. Morris macht sich sofort auf den Weg, der ihn zu einer mitten im Dschungel stationierten, von vietnamesischen Kämpfern umzingelten US-Einheit führt, die jede militärische Disziplin vermissen lässt...


Nach einer längeren Durststrecke in der ersten Hälfte der 70er Jahre - Kriegs-Action galt angesichts der Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg als wenig opportun - hatte die italienische Filmindustrie auch das Kriegsfilm-Genre wieder entdeckt. Umberto Lenzi brachte mit "Il grande attacco" (Die große Offensive, 1978) und "Da Dunkerque alla vittoria" (Nur Drei kamen durch, 1979) zwei mit internationaler Beteiligung gedrehte Weltkrieg II-Filme auf die Leinwand, die parallel zur beginnenden Welle der Hollywood-Epigonen und im Dschungel gedrehten Kannibalen-Filme entstanden. Auch Regisseur Antonio Margheriti hatte sich in dieser Hinsicht vorgetan, war mit "Killer-Fish" (Piranha II - Die Rache der Killerfische, 1978) auf Spielbergs "Der weiße Hai"-Spuren gewandelt und schuf mit "Apocalypse domani" (Asphalt-Kannibalen, 1980) einen Film, der die Vietnam-Thematik schon streifte, sie aber mit der aktuellen Zombie/Kannibalismuswelle verband. 

"L'ultimo cacciatore" (Jäger der Apokalypse) kam nicht nur unmittelbar nach "Apocalypse domani" in die italienischen Kinos, sondern wurde ebenfalls nach einem Drehbuch von Dardano Sacchetti auf den Philippinen gedreht. Weitere Querverbindungen sind trotz der verschiedenen Produzenten und Darsteller - wie im italienischen Film-Business gewohnt - mannigfaltig. Die Karriere von Gianfranco Couyoumdijan als Produzent und später Co-Autor fand im Erotik- („La bella Antonia, prima Monica e poi Domina“ (Wehe, wenn die Lust uns packt, 1972) und im Polizieschi-Genre („La banda del trucido“ (Die Gangster-Akademie, 1977) ihren Ursprung, bevor er mit „Zombie Holocaust“ (Zombies unter Kannibalen, 1980) seinen Beitrag zur Kannibalismus-Welle leistete. Mit Dardano Sacchetti hatte er erstmals bei „La banda del trucido“ zusammengearbeitet, der parallel das Drehbuch zu Lucio Fulcis „Paura nella città die morti viventi“ (Ein Zombie hing am Glockenseil, 1980) schrieb. In Fulcis Vorgängerfilm „Zombie 2“ (Woodoo,1979) war neben ihm und Couyoumdjian auch Tisa Ferrow schon mit an Bord, die im selben Jahr noch in D’Amatos „Antropophagus“ (Man-Eater,1980) in der weiblichen Hauptrolle auftrat, bevor sie ihre Karriere früh beendete. 

Dass die Produzenten von „Apocalypse domani“ zuvor schon an Lenzis Kriegsfilm „Nur Drei kamen durch“ beteiligt waren, überrascht da schon nicht mehr, denn „L’ultimo cacciatore“ kombinierte eine Vielzahl damals aktueller Strömungen: die Kriegsfilmthematik - konsequent an den Hollywood-Vorbildern „The deer hunter“ (Die durch die Hölle gehen, 1978) und „Apocalypse now“ (1979) orientiert - die vom Kannibalismusfilm gewohnte exotische Dschungel-Optik und diverse Splatter-Einlagen, die gemessen an den üblichen Kriegsverletzungen übertrieben wirkten. Als einer der verzichtbaren Begleit-Soldaten von einer mit angespitzten Bambushölzern ausgestatteten Falle erwischt wird, quellen gleich seine Gedärme heraus. Entsprechend wenig Reputation erfuhr Margheritis Film, der trotz der zitierten Hollywood-Antikriegsfilme schnell den Ruf eines reinen Action- und Baller-Vehikels erhielt, dass den Hintergrund des Vietnam-Kriegs nur für eine besonders gewalttätige und dreckige Umsetzung nutzte. Auch Regisseur Margheriti machte keinen Hehl aus seinen vor allem der Unterhaltung dienenden Absichten mit einem US-Soldaten als Helden im Mittelpunkt, der sich im Dschungel einem gesichtslosen Vietcong ausgesetzt sieht.

Angesichts der sensiblen Thematik um den erst wenige Jahre zuvor beendeten Kampfeinsatz der US-Armee, war eine differenzierte Betrachtungsweise zur Entstehungszeit des Films kaum zu erwarten, aber „L’ultimo cacciatore“ vermittelt aus heutiger Sicht trotz der ausführlich gezeigten Kampfhandlungen weder einen befriedigenden, noch heroischen Charakter und verwendete die Zitate aus „Deer hunter“ und „Apocalypse now“ eigenständig. Michael Ciminos „Deer hunter“ wird nur in einer der letzten Szenen des Films konkret kopiert, als Captain Morris (David Warbeck) in einen Wasserkäfig gesperrt wird, wo er nicht nur von Wasserratten angegriffen wird, sondern miterleben muss, wie ein Mithäftling aufgefressen wird. Wie üblich steigerten die italienischen Epigonen das Gewalt-Level der US-Vorbilder, aber damit verstießen sie auch gegen deren Tabus. Der Wahnsinn, der in Coppolas „Apocalypse now“ zum allgegenwärtigen, bewusst überzeichneten Zustand innerhalb der US-Armee wird, bekam in „L’ultimo cacciatore“ einen realistischeren Anstrich und vermittelte einen ungeschönten Blick. 

John Steiner als Befehlshaber einer mitten im Dschungel stationierten Einheit verwahrloster und unmotivierter Soldaten wirkt im Vergleich zu Marlon Brandos ähnlich angelegter Rolle in Coppolas Film zwar wie ein seriöser Offizier, schickt aber einen seiner Männer nur zum Spaß unter dem Dauerbeschuss der Vietnamesen in den Urwald, um eine Kokosnuss vom Baum zu pflücken. Besonders die Eingangssequenz, in der ein alter Freund von Captain Morris erst einen Kameraden und dann sich selbst in einem herunter gekommenen Strip-Lokal erschießt oder später die Vergewaltigungsszene um die Bildreporterin Jane Foster (Tisa Ferrow) lassen kein gutes Haar an den US-Soldaten, die gegenüber den anonym bleibenden vietnamesischen Angreifern größtenteils als wehrloses Kanonenfutter herhalten müssen. 

Margheriti verfolgte damit weder kritische Absichten, noch bemühte er gesellschaftspolitische Zusammenhänge, aber die geradlinige und kurzweilige Inszenierung lässt in ihrer kompromisslosen Direktheit keine positiven Emotionen aufkommen - zu verdanken auch dem reduzierten, in der Originalfassung wortkargen Spiel des Neuseeländers David Warbeck, der der Hauptrolle in „L’ultimo cacciatore“ nach jahrelanger Untätigkeit seine zweite Karriere als Schauspieler verdankte. Zwar schlägt er sich erfolgreich durch alle Widrigkeiten, aber patriotische Töne sind von ihm nicht zu hören. Sein gern zitierter Satz, er hasse den Vietcong nicht, sondern erschießt ihn, wirkt aus dem Zusammenhang gerissen zynisch und menschenverachtend, verliert diese Dimension aber angesichts der Beiläufigkeit, mit der Captain Morris nicht nur so die Frage der Journalistin beantwortet, sondern generell seinem Auftrag nachgeht. Der Anlass, eine die Moral der US-Armee untergrabende Radio-Station auszuheben, mag etwas konstruiert scheinen, aber die Szenen, in denen die Soldaten zu der freundlichen weiblichen Stimme abgeschlachtet werden, die ihnen empfiehlt, sich lieber nach Hause zu ihrer Freundin zu begeben, verfehlen ihre Wirkung nicht. Auch die von Mia Ferrows Schwester Tisa gespielte Kriegsberichterstatterin ist weniger klischeehaft als im Genre üblich - optisch glaubwürdig und ohne Bunny-Attitüde, verzichtete der Film auf die gebetsmühlenartigen Vorträge, dass Frauen hier nichts zu suchen hätten, und kehrte einmal sogar die Rettungssituation um.

„L’ultimo cacciatore“ reihte sich Anfang der 80er Jahre hinsichtlich seines Action- und Gewaltpotentials zwar mühelos in die parallel entstandenen Horror- und Apocalypse-Filme ein, aber die mit einem im Vergleich zu den US-Produktionen geringen Budget ausgestattete italienische Machart hielt sich nicht mit Ausgewogenheiten auf, sondern schuf einen atmosphärisch stimmigen Kriegsfilm, der ohne Verherrlichungen auskam.

"L'ultimo cacciatore" Italien 1980, Regie: Antonio Margheriti, Drehbuch: Gianfranco Couyoumdijan, Dardano Sacchetti,  Darsteller : David Warbeck, Tisa Ferrow, Tony King, Bobby Rhodes, John Steiner, Laufzeit : 97 Minuten

Abschlussfilm beim 1. Festival des italienischen Genre-Filmfestivals "Terza Visione" in Nürnberg vom 25. bis 27.04.2014


weitere im Blog besprochene Filme von Antonio Margheriti:

Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.