Fumetti per adulti - Bruno Corbuccis semi-komischer Beitrag zur "Commedia sexy"

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Montag, 10. August 2009

Stromboli - terra di dio (Stromboli) 1950 Roberto Rossellini

Inhalt: Karin Bjösen (Ingrid Bergman) wartet in einem italienischen Flüchtlingslager auf ihre Ausreise nach Argentinien. Als ihr Antrag abgelehnt wird, heiratet sie spontan Antonio, einen Soldaten, mit dem sie sich angefreundet hatte. Sie entkommt damit zwar ihrem rechtlosen Dasein, wird von Antonio aber auf seine Heimatinsel "Stromboli" mitgenommen, einer kargen Vulkaninsel, auf der die Menschen in einfachsten Verhältnissen leben...


Ausgeliefert zu sein ist für den Mitteleuropäer der Gegenwart ein eher seltenes Gefühl, aber kurz nach dem 2.Weltkrieg gab es viele Flüchtlinge, die ihrer Heimat entfremdet waren. Die Litauerin Karin Bjösen (Ingrid Bergman), die vor dem Krieg als Diplomatentocher zu den privilegierten Bevölkerungsschichten gehörte und nicht mehr in ihr Heimatland zurück kann, befindet sich in einem Lager und hofft auf ein Visum für Argentinien. Während ihrer Lagerzeit hatte sich die schöne Frau mit dem italienischen Soldaten Antonio angefreundet, der jetzt um ihre Hand anhält. Sie zögert, aber als das Visum abgelehnt wird, heiratet sie Antonio noch im Flüchtlingslager, um ihrer Rechtlosigkeit zu entkommen. Mit ihm zusammen fährt sie in dessen Heimat - der Vulkaninsel „Stromboli“.

Als Rosselini 1950 diesen Film drehte, galt er neben De Sica und Visconti als Hauptvertreter des neorealistischen Stils. In dieser Phase hatte er den damals sehr populären Hollywood-Star Ingrid Bergman kennengelernt, die ihre Familie seinetwegen verließ, was zu einem großen Skandal führte, der Ingrid Bergmans Karriere in den USA zum Erliegen brachte. "Stromboli" wurde letztlich eine Symbiose aus ihrem Starappeal und seinen neorealistisch geprägten Intentionen. Im Gegensatz zu Visconti, der in "La terra trema" (Die Erde bebt, 1948) zwei Jahre zuvor das harte und karge Leben der Fischer auf einer Insel unverfälscht beschrieb, wich Rossellini von der neorealistischen Linie ab, indem er die Bewohner mit einer in Charakter und Erscheinung wesensfremden Person konfrontierte, was folgerichtig zu Reaktionen führte, die außerhalb dieser homogenen Gemeinschaft lagen. Er verband in "Stromboli" zwei jeweils für die damalige Zeit signifikante, aber unterschiedliche Szenarien - die Flüchtlingssituation und das noch traditionelle Leben auf der Insel - zu etwas Neuem, dass einen Ausblick auf die gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Krieg werfen sollte. Damit entfernte er sich von der ursprünglichen Absicht des Neorealismus einer möglichst realistischen Zustandsbeschreibung und warf stilistisch seinen Schatten in Richtung Damiano Damianis Film "L'isola di Arturo" (Insel der verbotenen Liebe, 1962), der das Eindringen der Moderne in eine noch archaisch geprägte Sozialisation in der Nachkriegszeit weiter ausführte.

"Stromboli" verfügt zuerst noch über den gewohnten dokumentarischen Charakter. Die Handlung gelangt schnell vom Flüchtlingslager zum Meer und dem Leben auf der Vulkaninsel in seiner wenig einladenden Realität. Rossellini besetzte größtenteils Laiendarsteller, deren Erscheinung einen starken Kontrast zum Hollywood-Star Ingrid Bergman aufweisen sollte - wie auch die karge Insel. Hier wachsen nur wenige Pflanzen, denn über allem thront der riesige Vulkan, der  Qualm und Asche spuckt und jederzeit ausbrechen kann. Die wenigen Steinhäuser mit ihren flachen Dächern liegen geduckt am Fuß des Bergs. Das Leben scheint keine Farbe zu kennen und wirkt ständig bedroht. Die Bevölkerung hat sich damit arrangiert und führt ein einfaches Dasein im Schatten des Vulkans. Rossellini vermittelte in dokumentarischen Aufnahmen deren Situation, verweilte lange beim Thunfischangeln und schilderte auch die Konsequenzen eines Vulkanausbruchs. Seine Sympathie für die Menschen wird spürbar und nicht zuletzt deren Lebensfreude trotz der widrigen Lebensumstände.

Innerhalb dieser abgeschlossenen Welt wirkt Karin wie ein Fremdkörper. Ingrid Bergman spielte sie nicht als Leidende oder gar als Opfer, sondern jederzeit selbstbewusst - eine für eine Frau hier vollkommen ungewohnte, provokante Verhaltensweise. Als sie die ärmliche Situation auf der Insel bemerkt, will sie diese sofort wieder verlassen und macht ihrem Mann Antonio, der sich alle Mühe gibt, heftige Vorwürfe. Schon in einer frühen Szene wird Karin von dem Vertreter der argentinischen Botschaft als verlogen bezeichnet - ein Eindruck, der sich zunehmend zu bestätigen scheint. Scheinbar 
unternimmt Karin alles nur zu ihrem eigenen Vorteil. Als Tochter aus gutem Hause war sie es gewohnt, dass alles für sie bereitet war, und ist geradezu süchtig danach, die durch die Kriegswirren verloren gegangene Grundlage wieder zu erlangen. Dagegen ist sie weder an ihrem Mann, zu dem sie keine körperliche Nähe herstellt, noch an der Situation der Inselbewohner interessiert.

Mit ihrem ignoranten Verhalten bestätigt sie nicht nur die Vorurteile der Inselbewohner, sie will sogar den Pfarrer verführen, um an dessen treuhändisch verwaltetes Vermögen zu gelangen. In dieser Szene - eine der kontroversesten des Films - machte Rosselini kein Geheimnis aus dessen offensichtlicher Zuneigung. Beinahe kommt es zum Bruch des Zölibats, dass nur ihr mangelndes Einfühlungsvermögen und damit die Offenbarung ihrer wahren Absichten verhindert. In dieser Szene spitzte Rossellini die kommenden soziokulturellen Veränderungen weiter zu. Karin, als Vertreterin der bürgerlichen Klasse der Vorkriegszeit wird gezwungen zu erkennen, dass die alten Mechanismen nicht mehr funktionieren, aber auch die traditionellen Werte einer in sich geschlossenen Gemeinschaft sind gefährdet.

Das entstehende Verhalten der Anwohner gegenüber dem "Eindringling" blieb trotz der wachsenden Aggression dank Rossellinis 
sachlicher und unaufgeregter Inszenierung nachvollziehbar. Die Bewohner von „Stromboli“ werden von ihm nicht als Verweigerer gegenüber der "Moderne" charakterisiert, sondern zeigen auch Bereitschaft zur Anpassung..Anders als Karin, die nicht zum Opfer der Inselbewohner oder der schwierigen Verhältnisse wird, sondern ihrer Beharrung auf alte Muster. Trotzdem gelang es Ingrid Bergman diesem sperrigen Charakter in ihrer Angst und wachsenden Verzweiflung Sympathien zu verleihen.

Mit Fortschreiten des Films und durch den Focus auf Ingrid Bergman, deren "Schauspiel" sich von den sonstigen Laiendarstellern abgrenzte, entfernte sich Rosselini zwar vom neorealistischen Ursprung - er erhob gar den Vulkan zu einem epischen Symbol, dessen Wucht wie eine Drohung über den menschlichen Problemen zu thronen scheint - aber letztlich befand er sich mit seiner Intention in der Realität der damaligen Gegenwart. Nur Karins Flucht vor deren Konsequenzen auf den Gipfel des "Stromboli" kann keine Erlösung bringen.

"Stromboli" Italien 1950, Regie: Roberto Rossellini, Drehbuch: Roberto Rossellini, Darsteller : Ingrid Bergman, Mario Vitale, Renzo Cesana, Mario Sponzo, Laufzeit : 97 Minuten

- weitere im Blog besprochene Filme von Roberto Rossellini :
  
"Roma, citta apertà" (1945)
"Viaggio in Italia" (1954)
"Amori di mezzo secolo" (1954)

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.