Ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Commedia Sexy

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Luigi Comencinis zweite Zusammenarbeit mit Catherine Spaak

Sonntag, 19. Juli 2009

Gente del Po [Kurzfilm] (1943) Michelangelo Antonioni

Inhalt : Antonioni beschreibt in seinem ersten Film das Leben am Po, indem die Kamera die Fahrt eines Schleppers begleitet und dabei sowohl das Leben auf dem Schiff als auch am Ufer des Flusses einfängt.

Bis zur Fertigstellung seines ersten Filmes benötigte Antonioni insgesamt vier Jahre, da - nachdem er 1943 mit dem Drehen begonnen hatte - die Kriegswirren in Italien eine Verarbeitung des Materials verhinderten. Durch die Lagerung gingen zudem große Teile davon verloren, weshalb der Film nur halb so lang wurde wie geplant.

Vordergründig beschreibt Antonioni ein Stück seiner Heimat in unmittelbarer Nähe seiner Geburtsstadt Ferrara, aber an seinem ersten Film sind schon viele Elemente seines zukünftigen Schaffens zu erkennen. Der damals 30 jährige hatte zuvor als Filmkritiker gearbeitet, zuletzt in der von Mussolinis Sohn Vittorio herausgegebenen Zeitschrift "Cinema", die nach dem Krieg stark angegriffen wurde wegen ihrer positiven Kritiken faschistischer Propagandafilme wie "Jud Süss", der 1940 bei den Filmfestspielen in Venedig auch den "Coppa Mussolini" als bester Film gewann.

Antonioni wurde zwar auf Grund politischer Meinungsverschiedenheiten später entlassen, wurde aber den Makel für seine Mitarbeit an dieser Zeitschrift nie vollständig los. Interessanterweise entstand zu dieser Zeit schon ein Schriftstück, dass seinen Dokumentarfilm "Gente del Po" inhaltlich vorzeichnete - eine Vorgehensweise, die typisch für die Sorgfältigkeit bei der Vorbereitung seiner Filmprojekte bleiben sollte. Darin ist gut zu erkennen, wie wenig Antonioni sich an faschistischen Denkweisen orientierte. Im Gegenteil fanden in Italien - anders als in Deutschland - Künstler gerade innerhalb scheinbar staatlich gelenkter Bereiche Freiräume für unabhängige Projekte (gut auch an der Architektur zu erkennen, die in den späten 30er Jahren großartige Werke der baulichen Moderne hervorbrachte - eine in Deutschland unmögliche Vorstellung).

„Gente del Po“ verfällt nicht in die für die faschistische Denkweise typische Heroisierung von Menschen und Landschaften, sondern vermittelt ein authentisches Bild des Lebens auf und neben dem Fluss, mit unverhohlen gezeigten deutlichen Missständen. Antonioni begleitet einen Schlepper auf seinem Weg auf dem Po, wechselt seinen Blick zwischen der auf dem Schiff lebenden Familie und den Menschen am Flussufer und entwirft selbst in der Kürze der 10minütigen Laufzeit ein stimmiges Bild, dass sich auch dem heutigen Betrachter vermittelt.

Sicherlich war Antonioni den Vorstellungen des „Neorealismus“ (Viscontis „Ossessione“ entstand zeitlich parallel), denen er sich nie verpflichtet fühlte, hier noch sehr nahe, obwohl er keine Geschichte im eigentlichen Sinne erzählte. Aber deutlich ist seine Meisterschaft in der Einflussnahme zu erkennen, die in der gestalterischen Linie des Dokumentarfilms zum Ausdruck kommt. Er schildert die Krankheit der kleinen Tochter der Schifferfamilie, das Anlegen des Schleppers und den Weg der Mutter zu der Dorf-Apotheke. Während er dem Film so eine Richtung gibt, schweift sein Blick wie zufällig ab, zeigt verfallene Häuser, unzureichend gekleidete Menschen und auch einmal ein wild herum springendes Pferd.

Doch nie vergisst er den Fluss und die damit verbundenen Naturgewalten und erzeugt damit einen Eindruck von der Demut der Menschen, die sich mit dem Fluss arrangieren müssen - und ein Bild großer Schönheit.

"Gente del Po" Italien 1943, Regie: Michelangelo Antonioni, Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Laufzeit : 10 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Michelangelo Antonioni:

"I vinti" (1952)
"L'avventura" (1960)
"La notte" (1961)

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.