Für ihn war der Weg zur "Sexy"-Variante vorgezeichnet - den

Für ihn war der Weg zur "Sexy"-Variante vorgezeichnet - den
Ein Rückblick in die Entstehungsphase der "Commedia sexy all'italiana"

Freitag, 17. September 2010

Mia moglie, un corpo per l'amore (Meine Frau, ein Körper für die Liebe) 1973 Mario Imperoli

Inhalt: Paolo (Silvano Tranquilli) ist seit 5 Jahren mit der deutlich jüngeren Simona (Antonella Murgia) glücklich verheiratet, doch der erfolgreiche Geschäftsmann fürchtet zunehmend, dass sie ihm eines Tages untreu werden könnte. 

Um die Kontrolle zu behalten, stellt er Marco Santi (Peter Lee Lawrence) in seine Firma ein, und lässt ihn zufällig auf seine Frau treffen. Diese erkennen sich auch gleich wieder, denn sie waren früher einmal verlobt. 

Marco wirbt erneut um sie, aber für Simona sind die damaligen Zeiten endgültig vorbei. Doch ihr hartnäckiger Ehemann sorgt dafür, dass die Beiden allein eine Tour auf seinem Boot unternehmen. Nach längerem Zieren erliegt sie zwar Marcos Bemühungen, will aber keineswegs eine Beziehung mit ihm anfangen. Doch sie weiß noch nicht, dass damit Paolos Plan erst seinen Anfang nahm... 



Als in den 70er Jahren die Sex- und spätere Pornowelle in die Kinos schwappte, gaben sich die Macher noch häufig die Mühe, die Darstellung des Geschlechtsverkehrs in eine halbwegs stimmige Story einzubetten. Besonders beliebt war in diesem Zusammenhang das Motiv der Nymphomanin, um Interaktionen mit wechselnden männlichen Partnern rechtfertigen zu können - die Tatsache außer acht lassend, dass es sich dabei um eine schwerwiegende psychische Krankheit handelt.

Der Titel "Mia moglie, un corpo per l'amore" (Meine Frau, ein Körper für die Liebe) bereitete diese Thematik geschickt vor, denn bei einem solchen Körper, wäre es geradezu eine Sünde, diesen nur einer Person zukommen zu lassen. Nun handelt es sich bei Mario Imperolis Film aber um keinen Porno, sondern um einen Giallo mit Sex-Szenen. Die langen Einblendungen mit Simonas (Antonella Murgia) nacktem Körper und ihren inbrünstig gekneten Brüsten verweisen aber auf die Nähe zum aufkommenden Erotikfilm.

Auch hier funktioniert die Story - besonders im Mittelteil des Films - als Leitfaden, an dem sich die amourösen Abenteuer der Protagonistin aufreihen, verfügt dabei aber über eine interessante psychologische Variante. Ganz offensichtlich hatte die hübsche Simona ein bewegtes Leben, bevor sie den wohlhabenden Geschäftsmann Paolo (Silvano Tranquilli) vor fünf Jahren heiratete, blieb ihm in dieser Phase aber immer treu. Dass der wesentlich ältere Paolo trotzdem mit ihrer Vorgeschichte ein Problem hat, macht schon die erste Szene deutlich, als er seine Wasserski fahrende Frau zum Sturz bringt, indem er plötzlich Gas gibt. Ein kurzer Moment des Hasses war in seinem Gesicht zu sehen, bevor er sie dann wieder in sein Boot aufnahm.

Als er kurz darauf den smarten Marco (Peter Lee Lawrence) in seiner Firma einstellt, erkennt man noch nicht seine Beweggründe, spätestens aber, als dieser sich als Ex-Verlobter seiner Frau entpuppt und Paolo bei einem verabredeten Ausflug zu Dritt, plötzlich nicht dabei sein kann. So verbringen Marco und Simona einen ganzen Tag allein auf Paolos Yacht - für Paolo mit dem gewünschten Ergebnis, zumindest wenn man sein selbstzufriedenes Gesicht betrachtet, mit dem er die Beiden bei ihrer Rückkehr am Landungssteg empfängt. Simona hatte sich lange geziert, aber dann war es doch zum Sex gekommen - und damit zum Anfang sich ständig steigernder sexueller Abenteuer.


Aus heutiger Sicht ist der Mittelteil des Films am wenigsten interessant, weil seine langen Soft-Sex-Einblendungen eher langweilen als der Story neue Aspekte zu verleihen. Einzig die moralische Sichtweise der 70er Jahre wird darin deutlich, denn während Simona die lesbischen Avancen ihrer Fotografin (Sonia Burton), für die sie Modell steht, ablehnt, hat sie keine Probleme bei einem Dreier mit einem dunkelhäutigen männlichen Modell mitzumachen - die Interaktion mit ihm wird aber nur angedeutet im Gegensatz zum Sex mit anderen Männern.

Dass der Film ausschließlich aus männlicher, voyeuristischer Sicht erzählt wird, kann nur wenig überraschen, aber "Mia moglie, un corpo per l'amore" verfügt auch über einen subversiven Kontext, der sich vor allem im letzten Drittel Bahn schlägt. Nachdem Paolo seine Frau zu immer neuen sexuellen Abenteuern getrieben hatte, wird deren Gier nach Sex zu einem Selbstläufer, der seinen Wunsch nach Kontrolle zur Farce werden lässt. So wird der Film zunehmend zu einer Parabel über Macht und den Preis, den der Einzelne dafür zu zahlen bereit ist - dabei gibt der Titel doch schon eine klare Antwort darauf, was wirklich zählt - "Un corpo per l'amore".

"Mia moglie, un corpo per l'amore" Italien 1973, Regie: Mario Imperoli, Drehbuch: Mario Imperoli, Darsteller: Silvano Tranquilli, Antonella Murgia, Peter Lee Lawrence, Michele Placido, Sonia Burton, Laufzeit: 82 Minuten

Kommentare:

McKenzie hat gesagt…

Aber Udo, es gibt doch soviele deutlich bessere und interessantere Gialli, die genauso obskur sind wie dieser. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass du die obligatorischen Genre-Einsprengsel bei deiner Endlos-Retrospektive rein nach Zufall aussuchst.

Bretzelburger hat gesagt…

Das mit der "Endlos-Retrospektive" liegt ja in der Natur der Sache, denn allein, um nur die Filme anzusehen (und dann auch zu besprechen), die ich heute schon in meinem Fundus habe, benötige ich noch Jahre.

Auch der "Zufall" spielt dabei eine Rolle, wenn auch nur in begrenztem Umfang. Es gibt natürlich eine Vielzahl von Filmen, die ich schon gesehen habe, und deren Qualität ich kenne, ebenso habe ich selbstverständlich Vorlieben, denen ich jederzeit nachgehen könnte, auch gibt es schon einige Kritiken zu anderen selten zu sehenden Werken (nicht zuletzt von dir), die meine Neugier wecken, aber dazwischen möchte ich auch einfach Filme besprechen (und zuvor ansehen), von denen ich nichts weiß - so wie in diesem Fall. Das macht mir auch Spaß, auch wenn ich dabei manchmal ganz schön miese Filme zu sehen bekomme - und zwar noch deutlich schwächere als "Mia moglie, un corpo per l'amore"

Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.