Fumetti per adulti - Bruno Corbuccis semi-komischer Beitrag zur "Commedia sexy"

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Die erste Version der degenfechtenden Amazone

Sonntag, 19. Juli 2009

La Notte (Die Nacht) 1960 Michelangelo Antonioni

Inhalt : Das Ehepaar Giovanni (Marcello Mastroianni) und Lidia (Jeanne Moreau) besuchen ihren todkranken Freund Tommaso (Bernhard Wicki) im Krankenhaus. Schon hier wird deutlich, daß die kinderlose Ehe der beiden Mittdreißiger völlig erkaltet ist. Emotional reagieren beide immer nur gegenüber anderen Personen oder Situationen, zwischen ihnen wandelt sich jede Konversation kurzfristig in Schweigen.

Da der erfolgreiche Autor Giovanni zu einer Matinee zu seinen Ehren eingeladen ist, begeben sich beide zu dieser Veranstaltung. Giovanni merkt nicht, daß die völlig einsame Lidia schon nach kurzer Zeit allein aufbricht und durch die Stadt irrt. Erst als er zu Hause in die verwaiste Wohnung zurückkommt und eine zeitlang geschlafen hat, beginnt er sich um sie zu sorgen. Langsam bricht die Nacht ein...



„La Notte“ hat als Mittelteil der Trilogie eine herausgehobene Position, die die Symmetrie innerhalb dieser Konstellation betont. Während „L’Avventura“ noch die Dynamik der Entstehung einer Beziehung beschreibt und „L’Eclisse“ später das Scheitern demonstriert, verkörpert „La Notte“ den Stillstand der andauernden Beziehung. Konsequenterweise spielt „La Notte“ nur innerhalb eines knapp 24stündigen Zeitraums und beschreibt mehr den Tagesablauf eines kinderlosen römischen Ehepaares Mitte 30, als das es eine Geschichte erzählt. Dazu gliedert Antonioni diesen Tag in drei Abschnitte:

- morgens besuchen der Schriftsteller Giovanni (Marcello Mastroianni) und seine Frau Lidia (Jeanne Moreau) ihren todkranken Freund Tommaso (Bernhard Wicki) im Krankenhaus, bevor sie gemeinsam zu einem Empfang gehen, der zu Giovannis Ehren stattfindet.

- Lidia verlässt mittags unbemerkt diesen Ort und irrt stundenlang in Mailand herum. Giovanni fährt nach dem Empfang in ihre gemeinsame Wohnung, wo er Lidia vermutet. Als er sie dort nicht anfindet, verfällt er in einen Nachmittagsschlaf. Erst am frühen Abend teilt sie ihm telefonisch mit, wo sie sich befindet und er holt sie dort mit dem Auto ab.

- der weitere Abend beginnt in ihrer Wohnung, wo Lidia beschließt, nicht der Einladung eines reichen und einflussreichen Fabrikanten zu folgen, sondern in einen Nachtclub zu gehen. Als dort Giovanni gelangweilt wirkt, entscheidet sie sich, doch noch zu der Party des Industriellen zu gehen, wo sie dann die Nacht verbringen.

Im Gegensatz zu „L’avventura , das voller Emotionen war – selbst wenn sie unterdrückt oder unerfüllt blieben – fällt in „La Notte“ die völlige Abstinenz von Gefühlen auf. Der Umgang der Ehepartner miteinander ist von einer disziplinierten Höflichkeit geprägt, die keine Emotionen mehr füreinander zulässt. Optisch unterstützt Antonioni diese Kälte mit einer durchkomponierten Ästhetik, die helle, leere Flächen in den Mittelpunkt rückt, die mit parallelen Linien unterteilt oder eingerahmt werden. Dazu rückt er immer wieder die Protagonisten als zusätzliche Details in optische Einstellungen, die ohne Bewegungen auskommen, und betont damit deren Verlorenheit und ihre Unfähigkeit, ihre tatsächlichen Gefühle auszuleben.

Die Architektur in Mailand wird von der architektonischen Moderne bestimmt, beginnend mit dem Pirelli-Hochhaus im Zentrum der Stadt. In Innen- oder Außenräumen zeigt Antonioni ausschließlich Gebäude, stilistisch von klaren Linien bestimmt, gebaut aus Beton, Stahl und Glas, die sich in einem makellosen Zustand befinden. Selbst der Besuch zu Beginn im Krankenhaus unterliegt diesem optischen Diktat – nicht nur das Gebäude strahlt völlige Reinheit aus, auch die Krankenschwestern bewegen sich in blütenweißen Trachten und selbst Tommaso sieht man seine Krankheit nicht an, deren kurz bevorstehender tödlicher Ausgang nur durch sein Verhalten und seine Worte angedeutet wird.

Die Konsequenz, mit der Antonioni diese perfekte Ästhetik durchhält, ist notwendig, um die wenigen optischen und inhaltlichen Brüche deutlich herauszuheben. Diese Szenen sind nicht nur formalistisch verändert, sondern verfügen über eine absurde, nicht zum sonstigen Geschehen passende fremdartige Emotionen:

- als Giovanni das Krankenzimmer seines Freundes verlässt (Lidia war zuvor schon gegangen) zieht ihn eine junge Frau aus einem Nachbarzimmer sexuell fordernd an sich. Er lässt es passiv mit sich geschehen, bis zwei Krankenschwestern die Frau mit Schlägen traktieren und wieder in ihr Krankenbett treiben

- Lidia gelangt bei ihrem Weg durch die Stadt durch ein Tor und befindet sich plötzlich in einem ruinösen Hinterhof, in dem ein verwahrlost wirkendes Kind weint. Als sie sich diesem nähern will, wird es von seiner Mutter zu sich gerufen. Bevor sie den heruntergekommenen Ort wieder verlässt, reißt sie ein wenig abblätternden Putz von der Wand

- außerhalb der städtischen Bebauung auf einem Brachland ,sieht Lidia, wie sich zwei junge Männer prügeln, die von einer johlenden Gruppe umringt werden. Sie läuft auf sie zu und schreit hilflos. Darauf lassen diese von ihrer Prügelei ab und einer der Männer nähert sich ihr. Erschrocken rennt sie davon.


Mit diesen im Kontext fremdartigen Szenen, verdeutlicht Antonioni die Hilflosigkeit der Protagonisten, Gefühle zuzulassen und auszuleben. Diese übertriebenen Momente stehen im Kontrast zu echten Ereignissen wie dem Tod ihres Freundes Tommaso, von dem sie noch in der Nacht erfahren werden, auf den sie aber nicht annähernd so emotional reagieren können. Bei ihren unterdrückten Emotionen handelt es sich nur um egoistische Gefühle im Zusammenhang mit ihrer eigenen Situation, keineswegs um verborgene Emotionen für den Partner.

Das wird in der abschließenden Nacht deutlich, in der Antonioni die wohlhabenden Bürger in der mondänen Industriellenvilla als oberflächliche Gesellschaft seziert. Zu diesem Zeitpunkt kommt erneut Monica Vitti ins Spiel, die in dem Mittelteil der Trilogie ausnahmsweise nicht "Die Frau" spielt, sondern den vergnügungssüchtigen Sidekick, der mit „Dem Mann“ flirtet. Auch das hebt „La Notte“ in seiner inszenatorischen Position heraus, indem die „Dritte Person“ hier direkt in die Interaktion des Paares eingreift und damit das abschließende Gespräch zwischen den Eheleuten erst forciert.

“La Notte“ ist ein grandioses Dokument der Einsamkeit und inneren Leere, das ohne Melodramatik auskommt. Jede Szene des Films, jede Einstellung ist genau kalkuliert und bis ins Detail geplant. Mehr noch als in „L’avventura“ fällt die Perfektion in der Gestaltung der Ästhetik auf, welches diesen Film zu einem singulären Kunstwerk werden lässt. Vorteilhaft für diese Umsetzung ist sicher die Unabhängigkeit, über die „La Notte“ innerhalb der Trilogie verfügt. Durch die Konzentration auf die Bewegungslosigkeit - sowohl in der beschriebenen Beziehung, als auch im Denken der Menschen - und dem damit zusammenhängenden Verzicht auf Dynamik, werden Gestaltung und Thematik zu einer ästhetischen Einheit..

Das Bild einer modernen Gesellschaft, dass Antonioni hier aufgezeigt, ist auch heute noch gegenwärtig. Sein letzter Blick gönnt dem Betrachter keinen Trost mehr, wie noch in „L’avventura“, sondern ist zutiefst pessimistisch. Das abschließende Gespräch zwischen den Partnern verläuft trotz der Ereignisse der Nacht keineswegs emotional, sondern gibt in seinem fehlenden Veränderungswillen nur noch ein Zeugnis völliger Hilflosigkeit.

"La Notte" Italien 1961, Regie: Michelangelo Antonioni, Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Tonino Guerra, Darsteller : Jeanne Moreau, Marcello Mastroianni, Monica Vitti, Bernhard Wicki, Laufzeit : 122 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Michelangelo Antonioni:

"I vinti" (1952)
"L'avventura" (1960)

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.