Fumetti per adulti - Bruno Corbuccis semi-komischer Beitrag zur "Commedia sexy"

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Die erste Version der degenfechtenden Amazone

Freitag, 18. September 2009

A ciascuno il suo (Zwei Särge auf Bestellung) 1967 Elio Petri

Inhalt: Wieder hat der Apotheker des kleinen sizilianischen Ortes, Arturo Manno (Luigi Pistilli), eine anonyme Morddrohung erhalten, was Niemanden seiner Freunde ernsthaft wundert, denn der verheiratete Manno hat viele Affären mit anderen Frauen, darunter auch einer Minderjährigen. Richtig ernst nimmt die Drohungen allerdings auch keiner, bis er und sein Freund Dr. Antonio Roscio (Franco Tranchina) bei der Jagd am frühen Morgen ermordet werden.

Sofort fällt der Verdacht auf den Vater und die Brüder der Minderjährigen, aber Professore Paolo Laurana (Gian Maria Volontè), ein Freund der Toten, fallen sofort Unstimmigkeiten auf, da die Buchstabenschnitzel aus einer christlichen Zeitung stammen und die Verdächtigen Analphabeten sind. Ohne irgendwelche Zusammenhänge zu er
ahnen oder über Unterstützung in der Bevölkerung zu verfügen, macht er sich auf die Suche nach den wahren Mördern...


Aus heutiger Sicht ist es schwer zu beurteilen, warum "A ciascuno il suo" (Jedem das Seine), der in Cannes für sein Drehbuch eine Palme erhielt, von Beginn an ein Image verpasst wurde, dass zu falschen Erwartungshaltungen führen musste. Schon der Original -Trailer betonte die wenigen Actionelemente und vermittelte mit zackiger 60er-Jahre-Grafik den Eindruck einer blutrünstigen Auseinandersetzung. Der deutsche Titel "Zwei Särge auf Bestellung" suhlt sich dazu noch im Giallo-Sumpf, während der englische Titel "We still kill the old way" wenigstens nicht völlig frei erfunden ist, sondern einen Originalsatz fast korrekt zitiert, der allerdings für die Handlung nebensächlich ist.

"Er ist wahrscheinlich impotent"

Diese Bemerkung eines Polizisten, der bei der Beerdigung von Arturo Manno (Luigi Pistilli) und Dr. Antonio Roscio (Franco Tranchina) durch ein Fernglas die Trauernden observiert, gilt Prof. Paolo Laurana (Gian
Maria Volontè), einem Freund der beiden Ermordeten, und ist deutlich aussagekräftiger hinsichtlich der Intention des Films. Laurana stammt wie fast alle Anwesenden aus dem kleinen sizilianischen Dorf "La Marca" und arbeitet als Dozent in Palermo, weshalb er nur in den Sommermonaten hier verweilt. Der Intellektuelle, der inzwischen wieder aus der kommunistischen Partei ausgetreten ist, wohnt bei seiner Mutter und hat keine Beziehungen zu Frauen. Das er Teil des Freundeskreises war, dem neben den Ermordeten auch der Anwalt Rossello (Gabriele Ferzetti) angehörte, ist nur durch seine Herkunft begründet.

Petri verdeutlicht dessen Rolle als Außenseiter, in dem er den Film in drei Teile gliedert - die Vorgeschichte bis zum Tod der beiden Männer, den fast die gesamte Laufzeit einnehmenden Hauptteil, der ausschließlich aus der subjektiven Sicht Lauranas geschildert wird, und einen kurzen Nachspann. Eine Verzahnung zwischen Lauranas Erfahrungen und den tatsächlichen Hintergründen findet nicht statt. Letztlich bleibt Laurana nur ein Element, dass für die wesentlichen Entscheidungen der Strippenzieher keine Rolle spielt.

Im Mittelpunkt der Vorgeschichte steht der Apotheker Manno, dessen promiskuitives Verhalten im ganzen Ort bekannt war, weshalb sich Niemand wunderte, dass er anonyme Morddrohungen erhielt. Laurana taucht nur kurz während dieser Sequenz auf,
ohne weiteren Einfluss auf die Ereignisse zu nehmen. Es ist auch schwer vorstellbar, dass er mit den zwei Männern zur Jagd am frühen Morgen hinausgefahren wäre, bei der Beide kaltblütig erschossen wurden. Da Manno mit einer Minderjährigen aus einem heruntergekommenen Ortsteil geschlafen hatte, landen ihr Vater und ihre zwei Brüder als Verdächtige im Gefängnis. Laurana, der bei der Begutachtung des anonymen Briefes festgestellt hatte, dass die Buchstaben aus dem "Osservatore Romana", einer christlichen Zeitung, ausgeschnitten wurden, zweifelt deren Schuld sofort an, auch weil es sich bei den drei Männern um Analphabeten handelt, und bittet Anwalt Rossello um ihre Verteidigung.

Der Film lässt von Beginn an keinen Zweifel daran, dass die tatsächlichen Mörder aus ande
ren Kreisen kommen und aus anderen Beweggründen gehandelt haben. Als Laurana - von seiner detektivischen Erkenntnis noch ganz begeistert - nachspüren will, wer überhaupt den "Osservatore Romana" abonniert hat, wird er von dem Geistlichen mit den Worten begrüsst, dass er den Mord nicht begangen hätte. Da Petri ab dieser Phase immer nur bei Laurana bleibt, erfährt auch der Betrachter nichts von den tatsächlichen Hintergründen. Anders als in Kriminalfilmen, in denen so die Spannung aufrecht erhalten werden soll, wird in "A ciascuna il suo" damit der Eindruck forciert, dass Laurana weder Einfluss noch Beziehungen hat.

Leider wird Volontès Leistung in diesem Film auf Grund der falschen Erwartungshaltun
g zu wenig geschätzt. Großartig bleibt er seinem verhuschten, wenig am virilen Bild eines ermittelnden Einzelgängers orientierten Images, treu. Eher zufällig beginnt er nachzuforschen, ohne sich der Folgen bewusst zu sein. Dass er sich, trotz diverser Warnungen, weiter hinter den "Fall" klemmt, liegt einzig an seinem verkorksten Verhältnis zu Frauen. Luisa Roscio (Irene Papas), die Witwe des ermordeten Arztes, ist der Grund für seine Bemühungen, denn es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass er schon lange in diese schöne Frau verliebt ist.

Das Volontè in dieser Rolle überhaupt als Identifikationsfigur funktioniert, liegt einzig an seinem intensiven, nachvollziehbaren Spiel. Ohne viele Worte zu machen, entwirft der Film das komplexe Bild eines unfreiwilligen Außenseiters, der lieber dazu gehören möchte. Laurana ist kein Held, der eine kritische Haltung gegenüber den mafiösen Strukturen seiner Heimat einnimmt und bewusst auf Konfrontation geht, sondern Jemand, der sich in diesen Fall hineinsteigert, nur um die Frau zu gewinnen, die er schon lange begehrt. Sein Mut entspringt einzig dem Unwissen darüber, mit wem er sich anlegt und der fehlenden Einsicht, dass er keine Chance bei dieser Frau hat. Im gesamten Film gibt es keine politischen Parolen, keine moralischen Anklagen, nicht einmal die zu unrecht Verdächtigen kommen zu Wort. Wenn Laurana überhaupt einmal die Stimme erhebt, dann nur, um persönliche Enttäuschung auszudrücken. Der Film vermeidet bewusst jede emotionale und ideologische Zuspitzung. Auch die Morde erhalten den Charakter von Selbstverständlichkeit.

Trotzdem ist Elio Petris Film ei
ne Anklage gegen diese Verhältnisse, aber er verzichtete auf die üblichen Argumente gegen die Mafia, die hier ebenso wenig konkret vorkommt, wie die gewohnten politischen Ränkespiele im Hintergrund. Das bedeutet nicht, dass es sie nicht gibt, sondern das sie längst immanenter Teit einer Sozialisation sind, in der Jeder zum Opfer werden kann, wenn er nicht die ihm zugewiesene Rolle einnimmt. Und sei es die Position des Außenseiters, in der Laurana lange geduldet wurde. Die Perfidität in Petris Story verbirgt sich darin, dass der Protagonist nicht einmal einer großen Verschwörung auf der Spur war. Er wurde nicht beseitigt, um die Aufdeckung einer Straftat zu verhindern - es nahm ihn sowieso Niemand ernst - sondern weil er nicht mehr in der Lage war, sich anzupassen. Sein Aktionismus entsprang einzig allein seinen eigenen Motiven oder wie einer der Männer abschließend ausdrückte: "Laurana war ein Idiot". Das reichte schon für seinen Tod.

"A ciascuno il suo" Italien 1967, Regie: Elio Petri, Drehbuch: Elio Petri, Leonardo Sciascia (Roman), Darsteller : Gian Maria Volonté, Irene Papas, Gabriele Ferzetti, Salvo Randone, Luigi Pistilli, Laufzeit : 89 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Elio Petri:

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man sieht dem Film an, dass er 43 Jahre alt ist, er überhaupt nicht zu vergleichen mit z.B. Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger. Er ist sicher sehenswert, doch die Erwartungshaltung ist eben zu groß für einen Film von Petri.Trotzdem freue ich mich,ihn zu besitzen.

Bretzelburger hat gesagt…

Der Altersunterschied zu "Einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger" ist mit drei Jahren ja nicht sonderlich groß, weshalb ich in dem Unterschied eher die Entwicklung Petris erkenne, der - sicherlich auch ausgehend von den realen Ereignissen in Italien - zunehmend konkreter und bissiger wurde. Das gilt ja auch für Leonardo Sciascia, der hier noch mit seiner Heimat Sizilien beschäftigt war, während es später, etwa in "Todo modo" wieder mit Petri, um das "große Ganze" ging.

Trotzdem empfinde ich "A ciascuna al suo" nicht als schwächer, sondern nur als intimer und ruhiger. Dem Film hat immer sein reißerischer deutscher Titel geschadet, aber auch der Original-Trailer in Italien betonte mehr die Action-Seite, weshalb die allgemeine Erwartungshaltung immer in die falsche Richtung ging.

Anonym hat gesagt…

Ich habe den Film mit meinem 13er Grundkurs gesehen, eigentlich ausgehend vom Werk Sciascias (von dem die Romanvorlage stammt). Ich hatte ein bisschen Bedenken, ob der Film ihnen nicht zu antiquiert erscheinen könnte. Das Gegenteil war der Fall: Die meisten waren überrascht über das, was sie als ausgesprochen "modern" empfanden: wohl vor allem wegen Schnitttechnik und Kameraführung, auch der Musik (also nicht nur wegen all der derzeit wieder gängigen RayBan-Modelle ....)

Bretzelburger hat gesagt…

Ich möchte hier meine Freude darüber ausdrücken, dass Sie sowohl Sciascia, als auch besonders Elio Petri (auch wenn der Autor die Ursache dafür war) wieder eine "Bühne" geben. Die von Ihnen geschilderte Reaktion überrascht mich nicht, denn Petri kann auch heute, hinsichtlich des Unterhaltungswertes seiner Filme, jederzeit mithalten, von der inhaltlichen Qualität ganz abgesehen.

Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.