Fumetti per adulti - Bruno Corbuccis semi-komischer Beitrag zur "Commedia sexy"

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Sonntag, 19. September 2010

Morte a Venezia (Tod in Venedig) 1971 Luchino Visconti


Inhalt : Der gesundheitlich angeschlagene und zuletzt von Erfolglosigkeit geplagte Komponist Gustav von Aschenbach (Dirk Bogarde) erreicht mit dem Schiff den Hafen von Venedig. Von dort wird er von einem Gondolfiere, gegen den er sich nicht durchzusetzen vermag, direkt zum Lido gebracht, wo er im mondänen "Hotel des Bains" ein Zimmer bezieht. Als er am nächsten Tag erstmals das Frühstück im Hotel einnimmt, wird er Tadzio (Björn Andresen) gewahr, des hübschen jugendlichen Sohns einer polnischen Dame (Silvana Mangano). Trotz des ihn sehr aufwühlenden Ereignisses und dem wachsenden Wunsch, Tadzio zuzusehen, entschließt er sich spontan für seine Abreise, da er sehr unter dem Scirocco leidet.  Als es zur Verwechslung mit seinem Gepäck kommt, nutzt er die Gelegenheit, um doch in Venedig zu bleiben. In einem Moment des Übermuts und Glücksgefühls, gesteht er sich ein, Tadzio zu lieben...


Als Thomas Mann seine Novelle "Der Tod in Venedig" 1911/1912 schrieb, stand der Ausbruch des 1.Weltkriegs kurz bevor, und auch, wenn er diese Konsequenzen noch nicht erahnen konnte, wurde sein Werk stark von dieser Phase des Umbruchs geprägt. Er selbst befand sich seit Jahren in einer Schaffenskrise, die er schon in seiner 1903 erschienenen, autobiografisch geprägten Erzählung "Tonio Kröger" beschrieben hatte. Auch "Der Tod in Venedig" trägt deutliche biografische Züge, die sich nicht nur in der Figur des Gustav von Aschenbach manifestieren, bei dessen in der Novelle zitierten schriftstellerischen Werken, es sich um Manns eigene Arbeiten handelte, sondern auch in der Reise der Familie Mann nach Venedig im Jahr 1911 und dem Kennenlernen des polnischen Knaben Wladyslaw Moes, der für den "Tadzio" Pate stand.

Es sind weniger die homoerotischen Phantasien, für die es auch in Manns früheren Werken Beispiele gibt, als der Kampf gegen die dyonisischen Begierden, die diese Figur in Aschenbach auslöst. Dieser musste sich seine künstlerischen Werke immer durch Leistung erarbeiten, womit er nicht nur beispielhaft für Manns eigene der Disziplin unterworfenen Lebensführung stand, sondern für eine Gesellschaft, in der das Sich-gehen-lassen, Freude oder gar Ekstase als verabscheuungswürdig galten. "Es ist die alte, gute Geschichte: Werther erschoß sich, aber Goethe blieb am Leben" schreibt Mann selbst in seinem Essay über "Chamisso", welches parallel zur Novelle 1911 entstand. Der stellvertretende Tod, den Aschenbach in Venedig erleiden musste, sollte für Mann eine Befreiung werden, mit der er seine Krise überwand. 

Als Luchino Visconti Ende der 60er Jahre begann, Manns Novelle filmisch umzusetzen, befand er sich schon in einer Spätphase seines Schaffens und war deutlich älter als der damals erst 37jährige Thomas Mann. Und trotzdem ist ein idealerer Zeitpunkt für die Entstehung dieses Films kaum vorstellbar, denn die Nachkriegsgesellschaft befand sich an einem ähnlichen Wendepunkt, wie zum Ende der wilhelminischen Epoche. Visconti beging nicht den Fehler vieler Literaturverfilmungen, diese wieder in ihren Zeitkontext zurück zu manövrieren, sondern spürte die Verwandtschaft zur gegenwärtigen Entwicklung und nutzte nur den Rahmen der Mannschen Erzählung, um daraus ein persönlich geprägtes Werk entstehen zu lassen, das weit über seine gewohnte Bildsprache hinaus ging.

Als geschickter Schachzug erwies es sich zudem, Gustav von Aschenbach (Dirk Bogarde) zum Komponisten werden zu lassen, denn damit nahm er ein Detail auf, das außerdem prägend für diese Figur in Thomas Manns Sinn war. Nicht zufällig ist Aschenbach im gleichen Alter wie der Komponist Gustav Mahler und trägt seinen Vornamen, denn Mann hatte kurz bevor er mit seiner Novelle begann, den Tod des von ihm bewunderten Komponisten in Wien erlebt. Mahlers Musik ist zudem beispielhaft für die künstlerische Entwicklung dieser Phase, denn sie ist einerseits noch der Tradition verpflichtet, verweist in ihren Harmonien aber schon deutlich auf die Moderne, weshalb Viscontis intensive Verwendung seiner Musik nicht mehr von seinem Film zu trennen ist. Sie setzt immer in den Momenten ein, in denen Gustav von Aschenbach von seinen Emotionen ergriffen wird, etwa bei der Ankunft in Venedig, besonders aber bei der Betrachtung des Knaben Tadzio, womit eine vollständige Symbiose zwischen Bild und Empathie erreicht wird, die seine innere Zerrissenheit versinnbildlicht.


"Tod in Venedig" ist aber im Besonderen ein Visconti-Film und Luchino Visconti war kein Gustav von Aschenbach. Das zeigt sich zum Einen in der Hintergrundgeschichte zu dieser Figur, die von Visconti frei entworfen wurde, und die ihm die Gelegenheit gibt, einen Diskurs über die Kunst zu führen. In Persona des Alfred (Mark Burns) kritisiert er Aschenbach als Verräter seiner eigenen Kunstvorstellungen. Zum Anderen war Visconti schon lange ein bekennender Homosexueller, was er in "Tod in Venedig" in wunderschönen Bildern auslebt, mit denen er Tadzio als vollendetes Wunschbild des Gustav von Aschenbach inszeniert. Die tollenden jungen Männer, die ruhigen Standbilder, mit denen er den damals 16jährigen Björn Andrésen in der Silhouette betrachtet, und nicht zuletzt der detaillierte Blick auf dessen Gesicht, lassen erst die Fallhöhe erahnen zwischen Wunsch und Realität. Allein Dirk Bogardes Mimik genügt, um dessen innere Kämpfe, seine kurzen Momente des krampfhaften Glücks, seine Ängste, seine Asozialität bis zur Unfähigkeit der Kontaktaufnahme, zu formulieren - "Tod in Venedig" ist überaus beredt, ohne viele Worte zu gebrauchen. 

Anders als Thomas Mann, lässt Visconti Aschenbach nicht für sich stellvertretend sterben, sondern für ein Prinzip der Nachkriegszeit, nach dem nur das von Wert war, was durch Leistung und Disziplin erarbeitet wurde. Dem Menschen Aschenbach und seinen Wünschen gilt aber auch seine Sympathie, selbst als er ihn, ganz im Sinne Manns, zunehmend der Lächerlichkeit preisgibt, wenn er, geschminkt und mit gefärbten Haaren, wie ein alter Gockel dem jungen Tadzio hinterher läuft. In dieser Form der Erniedrigung verbirgt sich die Freiheit, sich nicht mehr anpassen zu wollen, so wie er ihm im Erleben des Todes einen Moment des höchsten Glücks schenkt - egal wie real es auch sein mag.

In diesem Augenblick sind sich Thomas Mann und Luchino Visconti ganz nah.







"Morte a Venezia" Italien 1971, Regie: Luchino Visconti, Drehbuch: Luchino Visconti, Thomas Mann (Roman), Darsteller : Dirk Bogarde, Marc Burns, Björn Andresen, Silvana Mangano, Romolo Valli, Laufzeit : 130 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Luchino Visconti:

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.