Ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Commedia Sexy

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Luigi Comencinis zweite Zusammenarbeit mit Catherine Spaak

Mittwoch, 10. Februar 2010

L'amante del vampiro (Die Geliebte des Vampirs) 1960 Renato Polselli

Inhalt: Als die Magd Brigita verletzt aufgefunden wird, wissen die Landarbeiter des Gutsbesitzers, genannt "der Professor" (Pier Ugo Gragnani), sofort, dass sie ein Opfer eines Vampirs wurde - schon das Dritte in diesem Jahr. Die Gruppe von Ballerinas, die unter der Leitung von Gorgio (John Turner) als Gäste in seinem Landhaus trainieren, werden vom Professor und dem herbeigeholten Arzt beruhigt. Auch als Brigita wenig später stirbt, obwohl sie sich zuvor gut erholt hatte, bezeichnen sie die Geschichten vom Vampir als Aberglaube der Landbevölkerung.

Als Luca (Isarco Ravaioli), der Neffe des Gutsbesitzers, mit Francesca (Tina Gloriani), der er zuvor einen Heiratsantrag machte, und Louisa (Hélène Rémy) vor einem Sturm in die falsche Richtung fliehen, sind sie gezwungen, in einer seit Jahrhunderten verwaisten Burg Zuflucht zu suchen. Doch zu ihrer Überraschung werden sie dort freundlich von Contessa Alda (María Luisa Rolando) empfangen, die durch ihren Diener Herman (Walter Brandi) Tee servieren lässt...



Es bedarf nur wenige Minuten, um sich sowohl mit den optischen und atmosphärischen Qualitäten, als auch den storytechnischen Schwächen von Renato Polsellis Beitrag zur wieder aufebbenden Vampir - Welle, Anfang der 60er Jahre, vertraut zu machen.

Die Kamera lässt ihren Blick über ein Panorama streichen, dessen aufsteigende Nebelschwaden im ersten Licht der Morgensonne glänzen. Die Magd Brigita geht in der noch vorhandenen Dunkelheit zu einem Wasserfall, um ihren Eimer zu füllen. Auf dem Rückweg wirft ihr ausgeprägt geformter Körper einen langgezogenen Schatten auf eine Anhebung, die kurz danach von einem anderen Schatten verfolgt wird. Nachdem das Monster über sie hergefallen ist, eilen die Landarbeiter der schreienden Frau zu Hilfe, kommen aber zu spät und können die Bewusstlose nur noch zum Haus des Gutsbesitzers, genannt "Der Professor" (Pier Ugo Gragnani), bringen.


Dort beklagen sie schon das dritte Opfer des Vampirs in diesem Jahr, aber der Professor und der herbeigeeilte Arzt, bezeichnen diese Geschichten als Aberglauben und beschwichtigen die Beteiligten. Während dieser Diskussion eilen die Gäste des Hauses, eine Gruppe Ballerinas und ihr Tanzlehrer, herbei, was die Kamera dazu nutzt, die nur leicht verhüllten Mädchen aus der hinteren Froschperspektive zu beobachten. Die Saga über die blutsaugenden Vampire beinhaltete neben den üblichen Ingredenzien, wie Knoblauch, Kreuzen oder Holzpflöcken, vor allem die erotische Komponente, denn deren Biss machte bekanntlich das weibliche Geschlecht gefügig. Auf diese verklausulierte Weise war es möglich, das freie Ausleben von Sexualität auf der Leinwand darzustellen, ohne damit moralische Regeln des Normalbürgers zu verletzen, denn die hier so freizügig Handelnden standen bekanntlich unter dem Einfluss einer finsteren Macht.

Diese Macht interessiert Polselli in seinem Film weniger, denn selten wurde ein Vampir ungefährlicher und lächerlicher dargestellt. Stattdessen liegt bei ihm das Schwergewicht auf der sexuellen Komponente. Das zeigt sich schon vordergründig an der großen Schar der weiblichen Darsteller, die als Tanztruppe etwa eine Minute lang versucht, den Eindruck eines klassischen Balletts vorzutäuschen, glücklicherweise aber schnell in Jazz - Dance - artige Bewegungen verfällt, denn Polsellis Intention liegt eindeutig in der Darstellung erotischer Bewegungen in eng geschnittenen Trikots - der Verzicht auf Nacktheit ist dabei einzig der Zeit um 1960 geschuldet.

Aber es gibt auch noch eine Story, die allerdings über einige logische Schwächen verfügt. War schon der Beginn in dieser Hinsicht fragwürdig, da es nicht nachvollziehbar war, dass ein Vampir, der das Tageslicht fürchten muss, ausgerechnet bei aufgehender Sonne noch auf Jagd geht, bleiben auch die wechselnden Versuche, Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Protagonisten herzustellen, Stückwerk. Als Luca (Isarco Ravaioli), Neffe des Gutsbesitzers, zusammen mit seiner Verlobten Francesca (Tina Gloriani) und Louisa (Hélène Rémy), beide Mitglieder der Tanzgruppe, auf dem Zuflucht vor einem Sturm in eine verlassen scheinende Burg geraten, müssen sie überrascht feststellen, dass diese doch bewohnt ist.

Sie werden von Contessa Alda (María Luisa Rolando) und ihrem Diener Herman (Walter Brandi) empfangen und trinken gemeinsam einen Tee. Natürlich ist es schnell klar, dass es sich bei den Beiden um Vampire handelt, aber warum Luca sofort der Einladung Aldas für ein heimliches Rendezvous folgt, obwohl sie ihn nicht gebissen hatte und er kurz vorher Francesca einen Heiratsantrag machte, wird nicht offensichtlich. Da genügte wohl schon der Anblick ihrer nackten Beine und ein vielversprechender Blick. Auch die Funktion Hermans bleibt variabel. Nachvollziehbar ist es, dass er die jungen Frauen aussaugt, damit dann Alda von ihm Naschen kann und selber jung bleibt. Nur sieht der dann selbst Ausgesaugte nicht nur sehr hässlich mit seiner dilettantischen Gummimaske aus, sondern soll angeblich in diesem Zustand weniger gefährlich und entkräftet sein, wie Alda einmal bemerkt. Blöd nur, dass er ausgerechnet dann immer auf Jagd gehen muss.

"L'amante del vampiro" auf seine Story zu reduzieren, wäre grundlegend falsch, denn dann verlöre man den Blick für die atmosphärische Dichte, in der Polselli seine Geschichte spielen lässt - und den Blick für Details. Nicht nur die wehenden Baumwipfel, die in stark konturiertes Schwarz-Weiß-Licht getauchten Wälder und Innenräume der Burg, die orchestrale Begleitmusik und die Tanzdarbietungen der Elevinnen gingen dann verloren, sondern auch der Blick auf die beiden hübschen, blonden Hauptdarstellerinnen, die sich in ihren enganliegenden Kostümen auch auf den holprigsten Waldpfaden und den steinigsten Böden der Burg, mit ihren hohen Absätzen nicht vom Weg abbringen lassen.

"L'amante del vampiro" Italien 1960, Regie: Renato Polselli, Drehbuch: Renato Polselli, Guiseppe Pellegrini, Ernesto Gastaldi, Darsteller: Hélène Rémy, Maria Luisa Rolando, Tina Gloriani, Walter Brandi, Isarco Ravaioli, Laufzeit: 83 Minuten

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.