Frühe Komödie von Dino Risi, Pasquale Festa Campanile und Massimo Franciosa

Frühe Komödie von Dino Risi, Pasquale Festa Campanile und Massimo Franciosa
Initialzündung für die "Commedia sexy all'italiana"

Montag, 16. Juni 2014

La lama nel corpo (Die Mörderklinik) 1966 Elio Scardamaglia

Inhalt: Die neue Krankenschwester erfährt schnell, dass eine zu große Anteilnahme am Schicksal der Insassen des Sanatoriums für Nervenkranke nicht erwünscht ist. Sowohl die Oberschwester als auch der als Handlanger dienende Hausmeister pflegen einen eher rustikalen Umgang mit den Patienten, die generell als gefährlich angesehen werden. Nur Dr. Vance (William Berger), der Leiter der Klinik, wirkt besonnen, aber auch er scheint nichts von den seltsamen Geräuschen zu bemerken, die offensichtlich vom Dachboden her nach unten dringen.

Außer Dr.Vance und der Oberschwester hat Niemand Zutritt zu diesem Bereich, aber auch darüber hinaus pflegt er seine Geheimnisse. Nachts lässt er einen erstochenen Körper verschwinden, um unliebsame Nachforschungen der Polizei zu vermeiden. Gisèle de Brantome (Françoise Prévost) wird zufällig Zeuge dieses Vorgangs, ohne die Hintergründe zu ahnen. Doch ihr kommt dieses Wissen sehr gelegen, denn die junge attraktive Frau befindet sich in einer Notlage. Gerade hatte sie ihren älteren und ihr unbequem gewordenen Mann zu Tode schleifen lassen, befand sich danach aber allein in der einsamen Küstengegend. Sie folgt Dr. Vance heimlich bis zu dessen Klinik…


Der Originaltitel "La lama nel corpo" verweist wesentlich neutraler als es "Die Mörderklinik" (oder wahlweise "Das Monster auf Schloß Moorley") vermag, auf die bevorzugte Tötungsform der Handlung hin - das Messer im Körper. Womit der 1966 entstandene Film mitten im "Giallo"-Universum angekommen zu sein schien, dessen Markenzeichen - ein Messer, gehalten von einer mit einem Lederhandschuh bekleideten Hand - offensichtlich Pate stand. Tatsächlich entstand "La lama nel corpo" nach Mario Bavas stilbildendem "Sei donne per l'assassino" (Blutige Seide, 1964) und bevor der "Giallo" - von der allgemeinen Liberalisierung der moralischen Standards profitierend - Anfang der 70er Jahre seine höchste Popularität erlangte, in einer Phase, in der das Genre ein eher stiefmütterliches Kino-Dasein führte (siehe dazu auch den Essay "Schundromane, Misogynie und gesellschaftlicher Umbruch").

In seiner Mischung aus Gothic-Style, Drama, erotischen Einlagen und Horrorelementen wurde "La lama nel corpo" zum Abbild der Zusammenarbeit einflussreicher Filmkünstler, die Mitte der 60er Jahre sonst andere Genres bevorzugten. Für den Produzenten Elio Scardamaglia blieb es nicht nur die einzige Regiearbeit, sondern ein einmaliger Ausflug ins Giallo - Fach zwischen Sandalen-Film und Italo-Western ("Arizona Colt" (1966)). Auch für Ernesto Gastaldi und Luciano Martino war das nach einem Roman Robert Williams entstandene Drehbuch für mehrere Jahre der einzige Beitrag zum Giallo-Genre, da sie sich, ähnlich wie der österreichische Hauptdarsteller William Berger ("Faccia a faccia" (Von Angesicht zu Angesicht, 1967)), zunächst auf den immens populären Italo-Western konzentrierten. Erst später waren sie entscheidend an der Blütezeit des Giallo beteiligt ("Lo strano vizio della Signora Wardh" (Der Killer von Wien, 1971)) - signifikant für die stilistische Stellung dieses solitären Films, der nur auf den ersten Blick typisch wirkt.

Ein alter Herrensitz abseits größerer Ansiedlungen, voll verwinkelt angelegter Räume, deren Wände dick gerahmte Bilder und Brokat-Teppiche zieren, nur von flackerndem Kerzenlicht schwach beleuchtet, bildet den pittoresk-stimmigen Hintergrund als Sanatorium für psychisch erkrankte Menschen – eingeliefert gemäß der Diagnose des englischen Arztes Dr. Robert Vance (William Berger), dessen Methoden noch ganz dem Denken des vorletzten Jahrhunderts verpflichtet sind. Entsprechend unzurechnungsfähig erweisen sich die Insassen, die zwischen tiefen Depressionen und extremen Aggressionen schwanken, deren Ursache mehr in der Art der Betreuung zu suchen ist, weniger im angeblichen Krankheitsbild. Offensichtlich gebar dieser Geist auch ein Monster, das über den Dachboden schlurft, auch wenn der Doktor und die gestrenge Oberschwester dessen Anwesenheit hartnäckig leugnen. Ist es verantwortlich für die Morde, deren Spuren Doktor Vance heimlich in der Nacht zu vertuschen versucht?

Was sich nach einer klassischen Grusel-Story über einen Mad-Scientist und seinen monströsen Helfer anhört, erweist sich zunehmend als komplexes Gebilde, dass seine Geheimnisse nur langsam preis gibt. Statt einfach Mord an Mord aneinander zu reihen und die Frage nach dem Täter in den Mittelpunkt zu stellen, bricht „La lama nel corpo“ wiederholt die Handlungslinie und offenbart auf diese Weise die inneren Beziehungen zwischen den Protagonisten, zu denen auch Vance‘ Ehefrau Lizabeth (Mary Young), eine hübsche neue Krankenschwester und der willfährige Hausmeister gehören. Besonders das Auftauchen von Gisèle de Brantome (Françoise Prévost) bricht mit den Gepflogenheiten, denn die nach einem Unglück mit ihrer Kutsche plötzlich an dem Landsitz auftauchende verführerische Schönheit eignet sich nicht als klassisches Opfer. Sie selbst hatte gerade dafür gesorgt, dass ihr älterer, unbequem gewordener Ehemann das Zeitliche segnete, bevor sie kurz darauf zufällig beobachtete, wie Dr.Vance eine Leiche vergrub. Mit diesem Wissen verspricht sie sich Vorteile in der Klinik, in der sie als angeblich hilflos Verirrte um Hilfe bittet.

„La lama nel corpo“ lässt die Frage nach dem Täter lange Zeit offen, aber stärker ist der Film in der Anlage seiner Charaktere. Die dahinter verborgene Ambivalenz vermeidet typische Rollenmuster und erlaubt überraschende Wendungen, die auch eine tragische Seite hinter den Gewalttaten offenbaren. Deren wenig grafische Ausarbeitung überzeugt durch ihre stimmige, sich in den Gesamtkontext integrierende Gestaltung, die dem Film trotz diverser 60er Jahre Anleihen, hinsichtlich der weiblichen Optik und erotischer Einlagen, einen erfrischend altmodischen Charakter verleiht – eine gelungene frühe Fingerübung der späteren Meister des Giallo-Fachs.

"La lama nel corpo" Italien, Frankreich 1966, Regie: Elio Scardamaglia, Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Luciano Martino, Robert Williams (Roman)Darsteller : William Berger, Francoise Prévost, Mary Young, Barbara Wilson, Philippe Hersent, Laufzeit : 83 Minuten

Abendlicher Eröffnungsfilm beim 1. Festival des italienischen Genre-Filmfestivals "Terza Visione" in Nürnberg vom 25. bis 27.04.2014

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Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.