Fumetti per adulti - Bruno Corbuccis semi-komischer Beitrag zur "Commedia sexy"

Fumetti per adulti - Bruno Corbuccis semi-komischer Beitrag zur "Commedia sexy"
Die erste Version der degenfechtenden Amazone

Montag, 22. Februar 2016

No, il caso è felicemente risolto (Betrachten wir die Angelegenheit als abgeschlossen) 1973 Vittorio Salerno

Inhalt: Fabio Santamaria (Enzi Cerusico) hat sich eine einsame Stelle an einem See in der Nähe Roms ausgesucht, um in Ruhe angeln zu können, während er die Radioübertragung eines zeitgleich stattfindenden Fußballspiels über einen Kopfhörer empfängt. Trotzdem nimmt er die Hilfeschreie einer Frau wahr, die aus dem Schilf dringen. Er läuft in die Richtung der Geräusche, kann aber nur noch den Mord an einer jungen Frau mitansehen. Als der Täter (Riccardo Cucciolla) auf ihn zugeht flieht Santamaria panikartig mit seinem Auto, um zur nächsten Polizeidienststelle in der ländlichen Gegend zu fahren.

So zuerst sein Plan, doch als er bemerkt, dass der Mann ihm folgt, begibt er sich mit überhöhtem Tempo zurück nach Rom, verkriecht sich in seiner leeren Wohnung - seine Frau (Martine Brochard) und seine Tochter sind gerade im Kino - und schläft ein. Er wacht nachts mit großem Hunger auf, aber seine Lust, den Mord anzuzeigen, ist dahin. Befriedigt liest er am nächsten Morgen in der Zeitung, dass die Polizei die Getötete gefunden hat, aber als er feststellen muss, dass die Täterbeschreibung auf ihn zutrifft, ändert sich seine Stimmung…


Es gibt Geschichten, die sind so naheliegend, dass sich die Frage stellt, warum sie nicht häufiger erzählt werden? - Am Sonntagnachmittag wird ein Angler Zeuge eines Gewaltverbrechens. Er hört die Hilfeschreie einer Frau und läuft durchs Schilf des einsam gelegenen Sees in die Richtung des Lärms, um im letzten Moment mitansehen zu müssen, wie ein Mann brutal eine junge Frau erschlägt. Ihre Blicke begegnen sich. Der Mörder geht mit dem Knüppel auf den Zeugen zu, der daraufhin panikartig zu seinem Auto rennt, um zur nächsten Polizeidienststelle zu fahren. So weit, so vorstellbar. Es ist eine Geschichte zwischen zwei Männern und einem weiblichen Opfer, die ähnlich im Park, auf einer Landstraße, nachts sogar mitten in der Stadt möglich ist.

Regisseur Vittorio Salerno betonte diese Ausgangssituation noch durch die Kontrastierung der Geräusche, bei gleichzeitiger Parallelität des Bildaufbaus. Während das Fußballstadion in Stille liegt, dringt der Lärm der Radio-Übertragung aus dem Kopfhörer des Anglers. Die ovale Form von Stadion und See gleichen sich, der Blick der Kamera auf die Zuschauerränge wird zum Blick auf den Angler am Seeufer. Dieses anfängliche Spiel mit Kontrast und Konformität gibt die Linie des Films vor: wer ist der Täter und wer ist der Zeuge? – Oder sind beide Männer Täter? – Dabei ist die Konstellation eindeutig und eine Überführung des Täters scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Doch es kommt anders.

Damiano Damiani? – Vittorio Salerno!

Salernos Film „No, il caso è felicamente risolto“ (Betrachten wir die Angelegenheit als abgeschlossen), nach seinem gemeinsam mit Augusto Finocchi verfassten Drehbuch, wird auf Grund seines sozialkritischen Gestus, verbunden mit der Kritik an staatlichen Institutionen, häufig in die Nähe der Filme Damiano Damianis gerückt, die den Missbrauch des Rechtssystems zugunsten politischer und krimineller Interessen anprangerten. Der Einzelne, einmal in den Fokus mafiöser Strukturen geraten, war diesen hoffnungslos ausgeliefert. Die Parallelen zu den Ereignissen um den Zeugen Fabio Santamaria (Enzi Cerusico) scheinen auf der Hand zu liegen - eine nur an Äußerlichkeiten orientierte Betrachtungsweise, denn entscheidend für Santamarias Schicksal ist dessen eigenes Verhalten. Dem Rechtsstaat lassen sich Vorurteile und mangelndes Engagement vorwerfen, aber er ist nicht korrumpiert wie bei Damiani. Weder fälscht die Polizei Beweise, noch beeinflusst sie Zeugen, es geht auch keine direkte Gefahr von ihr aus. Im Gegenteil reagiert der Apparat nur auf das Verhalten der beiden Protagonisten und wirft damit die Frage auf, warum Santamaria den Mord nicht sofort meldete?

Eine Antwort darauf lässt sich in der Zusammenarbeit des Regisseurs mit seinem älteren Bruder Enrico Maria Salerno finden, der zu den prägenden Commissario-Figuren des frühen „Poliziesco“ gehörte („La polizia ringrazia“ (Das Syndikat, 1972)), hier aber eine gegensätzliche Position als abgezockter Journalist einnahm. Scheinbar nur eine Nebenfigur spielend, steht er entscheidend für die Intention des Films. Mit zynischer Klarheit kommentiert er die Ereignisse und durchschaut sofort die bürgerliche Fassade des Täters – eine unabhängige, von außen beobachtende Rolle, wie er sie in der zweiten Zusammenarbeit mit seinem Bruder in „Fango bollente“ (1975) wiederholte. Dieser wirkt mit seinem gewalttätigen Aktionismus reißerischer als „No, il caso è felicamente risolto“, behielt aber die Perspektive aus Sicht des Einzelnen bei, spitzte die Darstellung einer egoistischen Gesellschaft nur weiter zu.

Gegenüber den aus Vergnügungssucht mordenden Männern in „Fango bollente“ wirkt Fabio Santamaria harmlos. Verheiratet, eine Tochter, verkörpert der als Fahrkartenverkäufer am Hauptbahnhof arbeitende Mittdreißiger einen männlichen Durchschnittstyp. Optisch gefällig und umgänglich, lässt sich seine Eitelkeit und geringe Neigung zur Selbstreflexion nicht übersehen. Seine Frau (Martine Brochard) behandelt er geringschätzig, einzig gegenüber seiner Tochter verhält er sich liebevoll. Seine erste Reaktion nach dem Anblick des Mordes und dem damit verbundenen Schock ist ebenso verständlich, wie seine Angst, als ihn der Täter scheinbar verfolgt. Auch das er in der Hektik von seinem Versuch ablässt, den Verkehrs-Polizisten zu informieren, ist nachvollziehbar, aber mit zunehmendem zeitlichen Abstand schwindet sein Wille, den Mord anzuzeigen. Hätte er geahnt, dass der Mörder stattdessen selbst zur Polizei geht, hätte er alle Hebel in Gang gesetzt, aber ohne diese Motivation überwiegt bei ihm ein aus Bequemlichkeit gespeister Fatalismus – moralisch wird er zum Mittäter.

Diese Entscheidung wird für Santamaria zum Fanal, das Salerno dazu nutzte, geschickt auf der Klaviatur des Rechtsempfindens zu spielen. War sein Zögern nicht nur ein Faux-Pas? – Sind seine Versuche, der Personenbeschreibung, die ihn als Täter benennt, durch optische Veränderung und Entsorgung verräterischer Kleidungsstücke zu entgehen, nicht legitim? – Wer wird ihm noch glauben, zumal es sich bei dem Mörder um einen angesehenen Schul-Professor handelt? – Der Höhepunkt dieses Diskurses ist die Begegnung von Santamaria mit Professor Ranieri. Riccardo Cucciolla spielte den Lehrer trotz dessen skrupelloser Vorgehensweise nicht als aalglatten Intellektuellen, sondern ließ die Abgründe erahnen, die zu seiner Tat führten. Glaubhaft kann er Santamaria sein inneres Leiden vermitteln und gewinnt so dessen Mitgefühl. Weder die erschlagene junge Frau, eine Prostituierte, noch der bewusst von Salerno gewalttätig inszenierte Tötungsakt haben noch Bedeutung – einen Moment lang entsteht eine Nähe zwischen den zwei Männern, die sie sonst nicht zulassen.

Salerno legte den Akzent seines Films auf die Abgründe hinter den bürgerlichen Fassaden. Sein Interesse galt dabei weniger dem Professor als dem Durchschnittstypen Santamaria, aus dessen Sicht der Großteil der Handlung erzählt wird. Wenn dieser, um seine Unschuld zu bezeugen, herausschreit, er hätte Frau und Kind, wirkt das angesichts seines vorherigen Benehmens als hohle Außendarstellung. Keinen Moment vertraute er sich seiner Frau an, sondern reagierte nur ungehalten auf ihre Nachfragen. Oberflächlich betrachtet lässt sich „No, il caso è felicamente risolto“ als Kritik an einer gnadenlosen Justiz verstehen, die einem Unschuldigen, einmal in die Mühle des Gesetzes geraten, keine Chance gibt. Doch unschuldig ist hier Niemand mehr.

"No, il caso è felicamente risolto" Italien 1973, Regie: Vittorio Salerno, Drehbuch: Vittorio Salerno, Augusto Finocchi, Darsteller: Enzi Cerusico, Riccardo Cucciolla, Enrico Maria Salerno, Martine Brochard, Luigi Cassellato, Laufzeit: 91 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Vittorio Salerno:

"Fango bollente" (1975)

Montag, 8. Februar 2016

I nuovi mostri (Viva Italia!) 1977 Ettore Scola, Dino Risi, Mario Monicelli

Orietta Berti und Ugo Tognazzi in "L'uccellino della Val Padana" 
Inhalt: Episode 1: L'uccellino della Val Padana (Der Spatz von Val Padana)

Adriano (Ugo Tognazzi) lässt nichts aus, um seiner Frau (Orietta Berti), eine mittelmäßig begabte Sängerin, möglichst viele Auftritte zu verschaffen  – schließlich hängt sein Einkommen davon ab. Als sie auf Grund dieser Dauerbelastung ihre Stimme verliert und der Arzt ihr ein paar Monate Schonung empfiehlt, sieht er seine Felle davon schwimmen…

Episode 2: Con i saluti degli amici (Mit freundlichen Grüßen)

Ein Mafioso, der auf offener Straße von Kugeln niedergestreckt wurde, leugnet selbst kurz vor seinem Tod gegenüber der Polizei, dass etwas vorgefallen wäre.




Vittorio Gassman in "Tantum ergo"
Episode 3: Tantum Ergo

Das Fahrzeug eines Kardinals (Vittorio Gassman) erleidet in einem herunter gekommenen römischen Vorort eine Panne. Gezwungen sich die Zeit zu vertreiben, betritt der Kardinal eine nahe gelegene Kirche, in der der Orts-Pfarrer eine Versammlung mit aufgebrachten Bürgern abhält…


Ornella Muti und Eros Pagni in "Autostop" 
Episode 4: Autostop

Für den reisenden Vertreter (Eros Pagni) entspricht die junge Anhalterin (Ornella Muti) genau seinem Beuteschema, weshalb er auch nicht lange braucht, um ihr seine Bedürfnisse zu demonstrieren. Um sich den so verklemmten, wie gierigen Kerl vom Leib zu halten, zitiert sie eine Zeitungsmeldung falsch und erweckt den Anschein, sie wäre eine entflohene Mörderin…

Vittorio Gassman in "Sequestro di persona cara"
Episode 5: Sequestro di persona cara (Entführung einer geliebten Person)

Tränenreich versucht ein Mann (Vittorio Gassman) vor laufender Kamera die Entführer seiner Frau davon zu überzeugen, alles für deren Befreiung zu tun. Er fleht sie an, sich umgehend bei ihm zu melden, hat aber schon heimlich die Telefonkabel durchgeschnitten.

Alberto Sordi in "First aid - pronto soccorso"
Episode 6: First Aid - Pronto soccorso (Erste Hilfe)

Nachts unterwegs zu einer Verabredung entdeckt der Aristokrat Giovan Maria Catalan Belmonte (Alberto Sordi) einen Mann am Mussolini-Ehrenmal liegen. Eigentlich wollte er ihn nur nach dem Weg fragen, sieht sich aber doch in der Pflicht, etwas für den Schwerverletzten zu tun. Er lädt ihn in seinen Rolls Royce, um ihn ins nächste Krankenhaus zu bringen – wie sich herausstellt ein schwieriges Unterfangen…

Nerina Montagnani und Ugo Tognazzi in "Mammina e mammone"
Episode 7: Mammina e mammone

Zwei Bettler – eine alte Mutter und ihr geistig leicht behinderter Sohn (Ugo Tognazzi) – streifen wie jeden Tag durch Rom. Sie sammeln alles, was ihnen wertvoll erscheint und lassen es sich trotz ihrer geringen Geldmittel gut gehen, immer argwöhnisch von ihrer Umgebung betrachtet.

Vittorio Gassman in "Cittadino esemplare"
Episode 8: Cittadino esemplare (Ein beispielhafter Bürger)

Unmittelbar vor seiner Haustür wird ein Beamter (Vittorio Gassman) Zeuge eines Überfalls. Er versteckt sich bis die Verbrecher von ihrem Opfer ablassen, um an dem leblosen Körper vorbei der abendlichen Freizeit im Kreis der Familie zuzustreben.

Eros Pagni und Floria Florence in "Pornodiva"
Episode 9: Pornodiva

Ein Ehepaar (Eros Pagni, Floria Florence) verhandelt mit einem Produzenten über eine Rolle ihrer siebenjährigen Tochter – in einem Pornofilm.






Vittorio Gassman in "Il sospetto"
Episode 10: Il sospetto (Der Verdacht)

Dem Commissario (Vittorio Gassman) wird eine Gruppe Studenten vorgeführt, die unterschiedliche Straftaten begangen haben sollen, die er ihnen detailliert vorhält. Als er von einem Furz gestört wird, lässt er die jungen Männer aus dem Polizeirevier schmeißen. Bis auf einen von ihnen, den er in sein Zimmer zitiert…

Alberto Sordi in "Come una regina"
Episode 11: Come una regina (Wie eine Königin)

Nach langer Zeit unternimmt Franchino (Alberto Sordi) mit seiner Mutter einen Ausflug in die Umgebung von Rom. Die alte Frau freut sich, ihren Sohn endlich einmal wieder für sich allein zu haben, denn sie ahnt nicht, was er damit tatsächlich bezweckt…


Vittorio Gassman und Ugo Tognazzi in "Hosteria!"
Episode 12: Hosteria!

Wie immer werden die Gäste vom jovialen Kellner (Vittorio Gassman) freundlich begrüßt, der sogleich die Tagesgerichte präsentiert. Während im Gastraum freudige Erwartung auf die bestellten Köstlichkeiten herrscht, kommt es in der Küche zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Koch (Ugo Tognazzi) und dem Kellner…

Ornella Muti und Yorgo Voyagis in "Senza parole"
Episode 13: Senza parole (Ohne Worte)

Nach ihrer Ankunft am Heimatflughafen hat die junge Stewardess (Ornella Muti) noch Lust schwimmen zu gehen. Dort fällt ihr sofort der hübsche Mann (Yorgo Voyagis) am Beckenrand auf, der ihre Zeichen versteht. Ohne ein Wort zu wechseln – sie sprechen keine gemeinsame Sprache – verlieben sie sich sofort ineinander…

Alberto Sordi in "L'elogio funebre"
Episode 14: L'elogio funebre

Eine Gruppe Trauernder begleitet einen Sarg zum Friedhof. Am Grab angekommen hält einer der Sargträger (Alberto Sordi) eine Rede für den Verstorbenen und erinnert an dessen Qualitäten als Komiker. Langsam wandelt sich das Wehklagen in Lachen…


Ettore Scola und die neuen Monster - im Gedenken an den am 19.01.2016 verstorbenen Regisseur und Drehbuch-Autor

Ein Episodenfilm scheint wenig geeignet für einen Nachruf auf einen Regisseur, zumal mit Dino Risi und Mario Monicelli zwei prominente Kollegen an seiner Seite standen. Entsprechend wurde in den Nachrufen auf Ettore Scola an seine bekanntesten (und erfolgreichsten) Filme erinnert, dabei vollständig die Essenz seines Schaffens übersehend - die enge Zusammenarbeit mit einer großen Anzahl Filmschaffender über Jahrzehnte hinweg. Schon 1954 war er an einem der ersten Episodenfilme beteiligt ("Amori di mezzo secolo"), gleichzeitig auch der erste gemeinsame Film mit dem früh verstorbenen Regisseur Antonio Pietrangeli, an dessen Werken Scola und sein kongenialer Co-Autor Ruggero Maccari bis Mitte der 60er Jahre immer beteiligt waren. Seine erste Regie-Arbeit "Se permettete parliamo di donne" (1964) war eine Fortführung der zuvorigen gemeinsamen Jahre mit Dino Risi und Vittorio Gassman. 

Neben "La terrazza" (1980), der wie ein letztes Klassentreffen unter alten Freunden wirkt, steht "I nuovi mostri" am Ende eines Vierteljahrhunderts intensiver Pflege des Episodenfilms in Italien. Gleichzeitig auch am Ende einer genre-übergreifenden engen Zusammenarbeit unter italienischen Filmschaffenden seit den 40er Jahren. Die zeitliche Parallele zum generellen Niedergang des italienischen Kinos lässt sich nicht übersehen. "I nuovi mostri" steht aber auch signifikant für die "Commedia all'Italiana", die in ihrer gesellschaftkritischen Variante hier noch einmal zu Höchstform auflief. Das ist ihr nicht gut bekommen, weshalb sie stark zensiert und ummontiert wurde. Es dauerte lange, bis ich die Episoden vollständig zusammentragen konnte. Diesen Film in Erinnerung an Ettore Scola endlich zu besprechen, war mir ein großes Bedürfnis.


Drei Jahre später sollte Ettore Scola noch einmal einige seiner alten Mitstreiter auf der Terrasse eines römischen Wohnhauses zu einer Art Bestandsaufnahme versammeln ("La terrazza" (1980)), aber zuvor legte er mit "I nuovi mostri" (Viva Italia!) einen letzten furiosen Auftritt vereinter Kräfte im schon aus der Mode gekommenen Episodenfilm hin. Diese besonders in Italien seit den 50er Jahren intensiv gepflegte Inszenierungsform wurde hier sinnbildlich zu Grabe getragen. In der abschließenden 14. Episode begleitet eine Trauergesellschaft den Sarg eines verstorbenen Komikers zu seiner letzten Ruhestätte. Alberto Sordi, einer der Sargträger, beginnt eine elegische Rede auf den Kollegen und Mitstreiter, zitiert ihn und schlüpft in dessen Rolle. Die Stimmung schlägt um von tiefer Trauer in Ausgelassenheit und mündet im gemeinsam gesungen Refrain:

„Vieni, "cherie", potremo\gustar il fascino "d'ltalie“
(Liebling, komm, lass uns die Faszination Italiens schmecken)

Die Beerdigung wird zum Abschiedsfest
Ein versöhnlicher Schlusspunkt, denn anders lässt sich dieser so tragikomische, wie sympathische Abgesang nicht interpretieren, der im Kontrast zu den vorherigen Episoden steht, die sich dem Blick in die Abgründe der menschlichen Seele widmeten und dem Originaltitel "I nuovi mostri" (Die neuen Monster) alle Ehre machten. Damit schloss sich der Kreis zu "I mostri" (Die Monster, 1963), einem 20teiligen Episodenfilm, zu dem Ettore Scola das Drehbuch geschrieben hatte. Gemeinsam mit den Co-Autoren Ruggero Maccari, Furio Scarpelli und Agenore Incrocci („Age“), entstanden unter der Regie Dino Risis, besetzt mit Vittorio Gassman und Ugo Tognazzi in den Hauptrollen. 14 Jahre später nahmen sie das Konzept wieder auf – doch damit nicht genug. Mit Mario Monicelli am Regie-Pult, Bernadino Zappino als Co-Autor und Alberto Sordi vor der Kamera gesellten sich weitere Kollegen der vergangenen Jahrzehnte dazu, ergänzt durch Ornella Muti und Eros Pagni als Vertreter der jüngeren Schauspieler-Generation.

Gassman empfiehlt die Tagesgerichte in "Hosteria!"
Dafür dass Ettore Scola die treibende Kraft hinter diesem Projekt war, lassen sich einige Argumente finden. Die Hälfte der Episoden entstanden unter seiner Regie, zudem hatte er seine besondere Liebe zur Zusammenarbeit unter Filmschaffenden seit 1954 („Amori di mezzo secolo“) in mehr als zehn Episodenfilmen und der jahrelangen Partnerschaft mit Ruggero Maccari und dem früh verstorbenen Regisseur Antonio Pietrangeli bewiesen. Mehr noch aber spiegelte die sehr pessimistische Ausrichtung des Films seine Haltung Mitte der 70er Jahre wider. Trieb „I mostri“ dem Betrachter schon Anfang der 60er Jahre trotz seiner komödiantischen Form das Lachen aus dem Gesicht, hatte das Krankheitsbild einer egozentrischen, selbstverliebten Nachkriegsgesellschaft in „I nuovi mostri“ pathologische Züge angenommen.

Mammone (Ugo Tognazzi) vermisst seine Mammina beim Kasperletheater
Anders als seine deutlich älteren Regie-Kollegen Mario Monicelli („Amici miei“ (Ein irres Klassentreffen, 1975)) und Dino Risi („Telefoni bianci“, 1976), deren aktuellen Filme trotz eines entlarvenden Subtextes ihre äußerliche Leichtigkeit beibehielten, war Scola nach „C‘eravamo tanti amati“ (Wir waren so verliebt, 1974), der seine Enttäuschung über die Entwicklung nach dem Krieg noch in einen unterhaltsamen Kontext bettete, bei „Brutti, sporchi e cattivi“ (Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen, 1976) an einem Tiefpunkt angelangt. Von der Hoffnung auf das Gute im Menschen oder dessen Fähigkeit zum Wandel war darin nichts mehr zu spüren. Eine Haltung, die auf „I nuovi mostri“ abfärbte. Während Scolas wenige Monate zuvor herausgekommener, im faschistischen Italien vor Ausbruch des 2.Weltkriegs spielender „Una giornata particulare“ (Ein besonderer Tag, 1977) mit Preisen überhäuft und in den Nachrufen zu Scolas Tod hervorgehoben wurde, kam sein letzter Episodenfilm nur stark zensiert in die Kinos, obwohl er eine Nominierung für den „Auslands-Oscar“ erhielt. Bis heute existiert keine vollständige Fassung der ursprünglichen Inszenierung – ein Zeichen dafür, wie sehr der Film den Nerv traf.

Immer gut gelaunt - Graf Belmonte (Alberto Sordi) bei der 1.Hilfe
Ähnlich dem Vorbild „I mostri“ sind die einzelnen Episoden kurzweilig erzählt, optisch und inszenatorisch ganz auf der Höhe ihrer Zeit. Die stark differierende Länge der Episoden untereinander erinnert ebenfalls an den Erstling, allerdings verzichteten die Macher sowohl auf besonders lange, mehr als 15minütige Einzelfilme, als auch auf die vielen kurzen Spots, aus denen der 63er Film puzzleartig ein Gesamtbild des gesellschaftlichen Zustands zusammensetzte. In „I nuovi mostri“ lag das Schwergewicht dagegen auf 5-10minütigen Episoden, die zwar zeitgenössische Themen aufnahmen, häufig aber auch als sehr persönliche Kommentare der Kreativen zu verstehen sind. Den übergeordneten kritischen Blick, wie ihn Dino Risi und seine Kollegen noch 1963 beabsichtigten – auch im Hinblick auf eine mögliche Korrektur – verfolgte „I nuovi mostri“ nicht mehr. Ein nicht nur in Scolas Filmen dieser Zeit häufig zu beobachtender Fatalismus, mit der das linksgerichtete politische Spektrum auf die soziopolitischen Veränderungen in Italien reagierte.

Tanzveranstaltung in "L'uccelino della Val Padana"
Neben der Zensur erfuhr der Film auch mehrfach einen Eingriff in die Episoden-Reihenfolge. Dabei ist der Beginn mit „L'uccellino della Val Padana“ (Der Spatz von Val Padana) von besonderer Bedeutung, nicht nur weil hier Ettore Scola wie auch bei der abschließenden Friedhofs-Szene Regie führte – eine weiteres Argument für seine prägende Rolle. Die ersten Bilder, zu denen die Credits eingeblendet werden, gelten dem Volk und zeigen es bei einer abendlichen Tanzveranstaltung. Minutenlang fängt die Kamera die Gesichter der Menschen ein – Männer und Frauen, alt und jung - , während sie sich langsam zu seichter Tanzmusik bewegen. Ein Abbild gelangweilter Freizeitgestaltung, das sich auch nicht ändert, als eine Sängerin (Orietta Berti), den Saal betritt und auf der Bühne ein Lied trällert. Der Mann (Ugo Tognazzi), der vor Begeisterung brüllend aus dieser stoischen Masse heraustritt, wirkt beinahe wohltuend bis seine Absichten deutlich werden. Er ist ihr Ehemann, der die Sängerin gnadenlos ausbeutet.

Der Manager (Ugo Tognazzi) akzeptiert das ärztliche Urteil nicht
Die Story vom rücksichtslosen Manager, der für den eigenen Erfolg auch die Gesundheit seines Schützlings aufs Spiel setzt, war in ihrer satirischen Überzeichnung nicht neu – entscheidender ist der Blick auf ein Umfeld, das vor Passivität strotzt. Ein Publikum, das sich kritiklos bespaßen lässt, und eine Sängerin, die mit unzähligen Puppen im Ehebett wie ein kleines Mädchen wirkt. Ohne Ambition, sich gegen ihren Mann zu wehren. Innerhalb dieser Konstellation vermittelt der von Tognazzi mit Verve gespielte Egozentriker trotz seiner vulgären Aufdringlichkeit zumindest den Eindruck von Lebendigkeit. Diese Gegenüberstellung – hier der ins Negative überzeichnete Protagonist, dort eine Gesellschaft ohne jeden eigenen Willen, die letztlich den schlechteren Eindruck hinterlässt – gab die Linie des Episodenfilms vor.

Gian Belmonte (Alberto Sordi) müht sich um den Verletzten
In der zentralen und längsten Episode „First Aid - Pronto soccorso“ spielte Alberto Sordi einen abgehobenen Aristokraten, der mit seinem Rolls Royce durch die verlassenen nächtlichen Straßen Roms fährt. Am Mussolini-Ehrenmal – das nicht zufällig eine wichtige Nebenrolle einnahm – trifft er auf einen schwer verletzten Mann. Er wurde Opfer eines Unfalls und braucht dringend ärztliche Hilfe. Der reiche Adelige, der nur anhielt, um ihn nach dem Weg zu fragen, zeigt wenig Anteilnahme an dessen Schicksal – nicht aus Ablehnung, sondern aus völligem Unverständnis für dessen Situation. Während er den vor Schmerzen stöhnenden Mann zu einem Krankenhaus transportiert, parliert er angeregt über gesellschaftliche Ereignisse oder seine Vorliebe für sein zwar altes, aber mächtiges Auto. Empathie oder ernsthafte Sorge strahlt er nicht aus, aber im Gegensatz zu den Krankenhausmitarbeitern, den Ordens-Schwestern und den Offizieren des Militär-Hospitals versucht er zu helfen. Dass er den inzwischen Verstorbenen nach mehreren vergeblichen Versuchen, ihn ärztlich versorgen zu lassen, am Mussolini-Ehrenmal wieder ablegt, kann seine Laune nicht verderben – Schuld an dessen Tod hat er nicht.

Der Sohn (Alberto Sordi) redet die Verhältnisse schön
Ähnlich kritisch gegenüber der staatlichen Versorgung, aber auch signifikant für die Zerstörung gewachsener sozialer Strukturen, zeigt sich die elfte Episode „Come una regina“ (Wie eine Königin), erneut mit Alberto Sordi in einer wenig sympathischen Rolle. Sein nach langer Zeit erster Ausflug mit seiner „Mamma“ aufs Land, erweist sich als Abschiebung in ein Altersheim. Nach außen die bürgerliche Form wahrend kaschiert er seine Verlogenheit, aber zunehmend bröckelt seine Fassade angesichts der Zustände in dem Heim. Doch er ist zu feige, um sich gegen seine Ehefrau durchzusetzen und lässt seine Mutter zurück. Die quietschenden Reifen, mit denen er den Ort des Grauens verlässt, zeigen seinen Widerwillen. Am Resultat ändert das nichts, aber im Gegensatz zu den anderen Beteiligten ließ er erahnen, dass er ein Herz hat.

Der Kardinal (Vittorio Gassman) vertreibt sich die Zeit
Charakterlich gegensätzlich, aber in der Kontrastwirkung vergleichbar, legte Vittorio Gassman in der dritten Episode „Tantum ergo“ den arrogant selbstherrlichen Kardinal an, der mit seiner Luxus-Limousine in einem heruntergekommenen römischen Vorort eine Panne hat. Während sein Chauffeur versucht, den Wagen wieder flott zu machen (grandios wie Gassman diesen herablassend an die Arbeit schickt), begibt sich der Kardinal mit seinem Sekretär in eine nahe gelegene Kirche, in der der örtliche Pfarrer eine Versammlung für empörte Bürger abhält. Er will ihre Kritik an den miserablen Wohnzuständen für einen Protest im Rathaus bündeln. Zuerst scheinbar bescheiden im Hintergrund bleibend, gewinnt der Kardinal angesichts der allgemeinen Uneinigkeit schnell die Hoheit über die Situation, ohrfeigt sogar einen aufgebrachten Mann, um ihn danach zu fragen, ob ihn die Gewalt von seiner Meinung abgebracht hätte. Während der Pfarrer frustriert aus der Kirche verschwindet, hält der Kardinal eine flammende Predigt, die in einem gemeinsam gesungenen Kirchenlied mündet. Selbst der Geohrfeigte hat Tränen in den Augen. Für den Kirchenführer kein Grund länger als nötig zu verweilen – noch während des Liedes bricht er auf, nachdem er von der gelungenen Reparatur des Autos erfuhr.

"Cittadino esemplare"
Im Unterschied zu den von Alberto Sordi verkörperten Figuren, wurden dem Kardinal keine sympathisierenden Schwächen zugestanden. Im Gegenteil spielte ihn Gassman als kühl kalkulierenden, die religiösen Machtinstrumente geschickt anwendenden, abgehobenen Potentaten – nicht nur eine gnadenlose Kritik an der Kirche, auch signifikant für die weiteren Rollen Gassmans in meist kürzeren Episoden. In Teil 5 „Sequestro di persona cara“ (Entführung einer geliebten Person) heuchelt er vor einer TV-Kamera, den Entführern alles für die Befreiung seiner Frau zuzugestehen, hat vorsichtshalber aber schon die Telefonleitung durchgeschnitten. In Teil 8 „Cittadino esemplare“ (Beispielhafter Bürger) sieht er als Beamter bei einem Überfall auf einen Mann nur zu, klettert über dessen leblosen Körper, um in seiner Wohnung genüsslich mit Frau und Sohn vor dem Fernseher Spaghetti zu verspeisen. Und in Teil 10 „Il sospetto“ (Der Verdacht) hält er als Commissario einer Gruppe verhafteter Studenten eine Standpauke, unterbricht diese nach einem heimlichen Furz eines der jungen Männer und schmeißt sie raus. Nur einer wird noch in sein Büro zitiert. Ein Brigadier, der sich auf seinen Befehl als Spion unter die Studenten mischen sollte, um von deren Aktionen zu erfahren. Doch der Commissario ist nur daran interessiert, wer den Furz hat fahren lassen.

Der Commissario (Vittorio Gassman) 
Diese von Scola verantwortete 10. Episode wurde aus allen Fassungen herausgeschnitten – der Anlass dafür ist nur schwer ersichtlich. Gassman agierte als Commissario gemäßigt. Die gesamte Situation im Kommissariat wirkt entspannt, ohne die extremen Zuspitzungen anderer Episoden. Vielleicht der Grund für die Zensur, denn mehr konnte die Bedeutung der damaligen Proteste nicht abqualifiziert werden. Ein gelangweilter Haufen sich selbst genügender Polit-Aktivisten und eine Polizei, die nur noch nach außen hin den Anschein erweckte, die Angelegenheit ernst zu nehmen. In der Hochphase der „bleiernen Jahre“ („Anni piombi“), als das Land im Chaos zu versinken drohte, offensichtlich eine Provokation – gleichzeitig das Abbild einer Protestbewegung, die ihren Zenit überschritten hatte.

Ornella Muti in "Autostop"...
Wie in „I mostri“ lag das Gewicht des Films weniger auf den äußerlichen Konsequenzen als den inneren Befindlichkeiten, die diese verursachen. Besonders böse spielten die Macher mit der jungen Ornella Muti, deren Schönheit sie erst ins Bild rückten, um sie dann töten zu lassen. Als Anhalterin trifft sie in „Autostop“ auf ein männliches Klischee-Exemplar (Eros Pagni) – notgeil, eingebildet und voller Komplexe. Um dessen hartnäckige Annäherungsversuche zu unterbinden, täuscht sie vor, eine entflohene Mörderin zu sein, damit seine Vorurteile gegenüber der „heutigen Jugend“ trefflich bedienend. Es gelingt ihr, ihn einzuschüchtern, sie unterschätzt aber dessen Panik-Reaktion. Die vorletzte Episode „Senza parole“ (Ohne Worte) wurde vollends zu einer Entlarvung des schönen Scheins. Zu den populären Liebesliedern „Ti amo“ (Umberto Tozzi) und „All by myself“ (Eric Carmen) inszenierte Dino Risi die Begegnung einer Stewardess (Ornella Muti) und einem jungen Mann (Yorgo Voyagis) in einem Schwimmbad in betörenden Bildern - mit wenig romantischem Ausgang.

...und "Senza parole"
Interessant sind in diesem Zusammenhang die Querverweise zur Rede des Kardinals in der dritten Episode „Tantum ergo“. Als dieser die Geschichte Jesus Christi mit idealisierten Worten schildert, wird ein Einwand dagegen von einem Kirchenbesucher mit dem Argument abgewehrt, in Zefirellis Fernsehfilm „Gesù di Nazareth“ (1977) hätte es genauso ausgesehen. Der schöne Grieche Yorgo Voyagis spielte unter Zefirelli den Jesus Christus, in „Senza parole“ sind seine Motive dagegen weniger selbstlos – sicherlich keine zufällige Besetzung. Von diesen Anspielungen auf andere Filmemacher und deren Werke, wie sie 1963 in Dino Risis „I mostri“ reichlich vorhanden waren, blieb im Nachfolger wenig übrig. Einzig die 9. - in Italien zensierte - Episode „Pornodiva“ spielt im Filmbusiness. Ein Ehepaar (Eros Pagni, Fiona Florence) schmeißt seine Bedenken angesichts der für sie vorteilhaften Argumente des Filmproduzenten schnell über Bord, ihre siebenjährige Tochter für einen Porno-Dreh mit einem Affen zur Verfügung zu stellen. Die Widerwärtigkeit liegt weniger in der Konklusion als im affektierten Getue der Eltern, die sich selbst wie Filmstars verhalten.

"Mammina und Mammone" im Cafè
Auch die siebte Episode „Mammina und Mammone“ fiel in Italien der Schere zum Opfer. Dabei kehrte Risi nicht nur die übliche Richtung um – äußerlich abstoßend, innerlich schön – sondern zitierte auch Scolas „Brutti, sporchi e cattivi“. Wie dessen Protagonisten leben die alte Frau und ihr geistig behinderter Sohn (Ugo Tognazzi) in slumartigen Verhältnissen, haben sich aber trotz ihrer großen Armut eine naive Freude am Leben bewahrt. Gemeinsam trinken sie im Cafè aus einer Tasse, waschen sich im Teich der Parkanlage und sammeln alles, das ihnen wertvoll erscheint – eine ständige Provokation für ihre Umgebung, die ihr wenig freundlich gesinnt ist. Dass diese Episode herausgeschnitten wurde, bestätigt ebenso die Intention des Films, wie die Verharmlosung des deutschen Filmverleihs. Dessen Filmplakat, das „Die neuen Monster“ in ein „Viva Italia“ umbenannte und Vittorio Gassman mit Spaghetti auf dem Kopf zeigt, sollte den Film in die Nähe der damals populären, meist irren und slapstickhaften italienischen Komödien rücken.

Der Streit zwischen Kellner (Vittorio Gassman) und Koch (Ugo Tognazzi) in der Küche einer Osteria, in der sie sich mit sämtlichen Lebensmitteln bewerfen und überschütten, tritt wie die abschließende Friedhofsszene aus dem Gesamtkontext heraus. Zwar macht sich die 12. Episode „Hosteria!“ über die angeblichen Kenner lustig, die selbst Zigarettenstummel als Bestandteil der italienischen Küche verzeihen – nach dem Kampf wird das Essen, nur leicht optisch auf Vordermann gebracht, ungerührt den Gästen serviert – aber die Auseinandersetzung zwischen dem schwulen Gastronomen-Paar war vor allem ein großer Spaß des Schauspieler-Duos Tognazzi und Gassman, die hier einmal richtig die Sau rauslassen konnten, bevor sie mit einem Küsschen wieder Frieden schlossen. Angesichts ihrer wiederholten Zusammenarbeit in den Tiefen der menschlichen Existenz ein würdiger Kommentar – nicht zufällig unter der Regie Ettore Scolas entstanden. An einen Wandel zum Besseren glaubten sie nicht mehr, aber ihre Laune hatten sie wieder gefunden.

"I nuovi mostri" Italien 1977, Regie: Ettore Scola, Dino Risi, Mario Monicelli, Drehbuch: Ruggero Maccari, Agenore Incrocci, Furio Scarpelli, Bernadino Zapponi, Darsteller : Vittorio Gassman, Ugo Tognazzi, Alberto Sordi, Ornella Muti, Eros Pagni, Yorgo Voyagis, Laufzeit : 115 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Ettore Scola:

"Se permettete parliamo di donne" (1964)
"C'eravamo tanti amati" (1974)
"Brutti, sporchi e cattivi" (1976)
"La terrazza" (1980)

weitere im Blog besprochene Filme von Dino Risi:
"Il sorpasso" (1962)
"I mostri" (1963)
"Le bambole" (1965)

weitere im Blog besprochene Filme von Mario Monicelli:

Der Name "L'amore in città" bezieht sich auf einen Episoden Film aus dem Jahr 1953, der erstmals Regisseure in Italien dazu brachte, ihre extra dafür geschriebenen und gedrehten Kurzfilme zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Der Episodenfilm steht symbolisch für eine lange, sehr kreative Phase im italienischen Film, die in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Kunstform Film wurde. Die intensive Genre-übergreifende Zusammenarbeit unter den Filmschaffenden war eine wesentliche Grundlage dafür.